Münze: «Ewiger Pfennig» aus der königlichen Münzstätte in Überlingen, geprägt zur Zeit von König Albrecht I. von Habsburg (1298–1308)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: In Wulst- und Perlkreis nach rechts schreitender bekrönter Löwe mit erhobenem und zurückgeschlagenem Schweif, der mit zwei Kugeln belegt ist, zwischen den Vorderpranken eine Kugel.
Seit dem 11. Jh. bildeten sich im Bereich des ehemaligen Karolingerreichs in Westeuropa unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gültig war, traten nun unterschiedliche Pfennigsorten in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten, dies aufgrund der zunehmenden politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde.

Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Der vorliegende Pfennig gehört zur Gruppe der sogenannten Bodenseebrakteaten. Die Wirtschaftsregion rund um den Bodensee wurde im Hoch- und Spätmittelalter von der bischöflichen Münzstätte in Konstanz dominiert. Alle umliegenden Münzstätten wie etwa Lindau, St. Gallen, Ravensburg, Überlingen oder Ulm orientierten sich bei der Ausprägung ihrer Pfennige zunehmend an den Vorbildern aus Konstanz. Seit dem frühen 13. Jh. bildete sich im Bodenseeraum eine besondere Form dieser Pfennige aus, die aufgrund ihrer äusseren Erscheinungsform in der Forschung als Bodenseebrakteaten oder Constantienses bezeichnet werden. Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen runden Silberschrötling (Münzplättchen) in der Technik der Brakteatenprägung. Wurde zunächst das Münzbild bei den Bodenseebrakteaten von einem glatten Wulstreif und einem groben Perlkreis bzw. einem Kranz sich abwechselnder Vierecke und Kreuze eingefasst, setzte sich ab ca. 1260/1270 eine Rahmung aus einem glatten Wulstreif und einem äusseren Kranz aus feinen Perlen durch. Im Gegensatz zu den vierzipfligen Pfennigen des benachbarten westalemannischen Währungsraums (Zürich, Nordwestschweiz, Breisgau und Elsass) waren die Bodenseebrakteaten rund. Am Übergang zum Spätmittelalter zerfielen zusehends die bestehenden Währungsräume mit ihren regionalen Währungen. An ihre Stelle treten nun neue, überregionale Nominale und ein mehrstufiges Nominalsystem, welches den Bedürfnissen der aufstrebenden Wirtschaft in Europa besser angepasst ist.

In der Forschung wird dieser Münztyp innerhalb der Bodenseebrakteaten zur Gruppe der Ewigen Pfennige gezählt. Zu den Einnahmequellen der Münzherren im Mittelalter gehörte nicht nur die Münzprägung, sondern auch das periodische Zurückrufen der alten Pfennige, um sie durch neue Prägungen zu ersetzen, «renovatio monetae» genannt. Dabei wurde eine Umtauschgebühr erhoben, was einer Sonderbesteuerung des Barvermögens gleichkam. Zudem hatten die neuen Pfennige aufgrund von Silbergehalt und Gewicht häufig einen geringeren Wert, sodass der Münzherr mit dieser Massnahme einen Gewinn beim Umtauschkurs von 1:1 erzielte. Gegen diese das Privatvermögen der Untertanen und den Handel schädigenden Massnahmen opponierten die Städte. 1295 gelang es dem Konstanzer Rat gegen die Zahlung von 60 Mark Silber den Konstanzer Bischof Heinrich II. von Klingenberg (1293–1306) zu verpflichten, den Konstanzer Pfennig während zehn Jahren in Gewicht, Bild und Feingehalt (Silberlegierung) unverändert zu lassen. Der Vertrag wurde von den Nachfolgern des Bischofs mehrmals erneuert. Ende 1335 lief die letzte Vertragsdauer aus. Weitere Münzstätten um den Bodensee orientierten sich ebenfalls an diesen Vorgaben, sodass die Bodenseebrakteaten dieser Periode ganz allgemein als Ewige Pfennige bezeichnet werden.

Das Münzbild stellt mit dem Löwen das Wappentier der Stauferdynastie dar, welche vom 12. und bis zur Mitte des 13. Jhs. die meisten deutschen Könige und Kaiser hervorbrachte. Die Staufer gehörten zu den grossen Förderern des Städtebooms in Schwaben. Eine Vielzahl von Siedlungen wurde in Folge dieser Politik mit Marktrechten ausgestattet und zu Städten erhoben, die als wichtige regionale Stützpunkte das Rückgrat der kaiserlichen bzw. königlich-staufischen Macht in Süddeutschland bildeten. Überlingen erhielt um 1180 das Marktrecht vom Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) und entwickelte sich schnell zu einer florierenden Handelsstadt am Bodensee. Der Löwe auf der Münze weist auf die königliche Münzstätte in Überlingen hin. Nach dem Ende der Stauferherrschaft in Deutschland 1254 übernahm die Stadt Überlingen den bekrönten Löwen als ihr Wappentier.
nach 1295
D. 18.2 mm
Silber, Prägung
T 37187
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 236.4.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Tier