Münze: Haller der Stadt Luzern, geprägt in Luzern, aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Vs.: In Wulstkreis Kopf des hl. Leodegar als Bischof mit Mitra (Kopfbedeckung von Bischöfen und ab Mitte des 12. Jhs. von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit), auf Höhe der Stirn je eine Kugel.
Leodegar (um 616–678/79) war Abt in Saint-Maixent und Bischof von Autun (FRA). Aufgrund seiner Bemühungen um Reformen in der Kirche, verbannte ihn der Merowinger König Childerich II. in ein Kloster. Nach dessen Ermordung war Leodegar tatverdächtig und wurde enthauptet. Die 727 im südlichen Elsass gegründete Abtei Murbach förderte die religiöse Verehrung des Heiligen. Da dieser das Benediktinerkloster im Hof in Luzern gehörte, kam der Kult nach Luzern. Der Heilige ist der Patron des Kantons und der Stadt Luzern.

Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten bzw. den Hohlpfennigen (Spätmittelalter und Neuzeit) gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Ein Begriff, der erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – dasselbe spiegelverkehrt und vertieft abzeichnet.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
um 1430–1440
D. 13.9 mm
Silber, Prägung
T 6910
Benedikt Zäch, Die Angster und Haller der Stadt Luzern, Versuch einer Typologie, in: Schweizerische Numismatische Rundschau, Bd. 57, 1988, S. 311–355, Nr. H 3.4.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Religion