Münze: Pfennig der Abtei Kempten, geprägt in Kempten im Allgäu zur Zeit von Abt Landfried (1170–1187)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: Unleserliche Umschrift (Trugschrift?). In Linienkreis Büste eines tonsurierten Abts mit Krummstab (Insignie und Symbol des Abts als Hirte der Gläubigen) nach links.
Seit dem 11. Jh. bildeten sich im Bereich des ehemaligen Karolingerreichs in Westeuropa unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gegolten hatte, traten nun aufgrund der zunehmenden politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt unterschiedliche Pfennigsorten auf, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurden.

Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – dasselbe spiegelverkehrt und vertieft abzeichnet.

Der vorliegende Pfennig gehört zur Gruppe der sogenannten Bodenseebrakteaten. Die Wirtschaftsregion rund um den Bodensee wurde im Hoch- und Spätmittelalter von der bischöflichen Münzstätte in Konstanz dominiert. Alle umliegenden Münzstätten wie etwa Lindau, St. Gallen, Ravensburg, Überlingen oder Ulm orientierten sich bei der Ausprägung ihrer Pfennige zunehmend an den Vorbildern aus Konstanz. Seit dem frühen 13. Jh. bildete sich im Bodenseeraum eine besondere Form dieser Pfennige aus, die aufgrund ihrer äusseren Erscheinungsform in der Forschung als Bodenseebrakteaten oder Constantienses bezeichnet werden. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen runden Silberschrötling (Münzplättchen) in der Technik der Brakteatenprägung. Wurde zunächst das Münzbild bei den Bodenseebrakteaten von einem glatten Wulstreif und einem groben Perlkreis bzw. einem Kranz sich abwechselnder Vierecke und Kreuze eingefasst, setzte sich ab ca. 1260/1270 eine Rahmung aus einem glatten Wulstreif und einem äusseren Kranz aus feinen Perlen durch. Im Gegensatz zu den vierzipfligen Pfennigen des benachbarten westalemannischen Währungsraums (Zürich, Nordwestschweiz, Breisgau und Elsass) waren die Bodenseebrakteaten rund. Mit dem Übergang zum Spätmittelalter zerfielen zusehends die bestehenden Währungsräume mit ihren regionalen Währungen. An ihre Stelle treten nun neue, überregionale Nominale und ein mehrstufiges Nominalsystem, welches den Bedürfnissen der aufstrebenden Wirtschaft in Europa besser angepasst ist.

Beim vorliegenden Stück ist die Umschrift, möglicherweise eine Trugschrift, nicht lesbar. Durch die Aneinanderreihung von Buchstaben oder buchstabenähnlichen Zeichen, die allerdings keiner Leseregel folgen, sollte dem Betrachter eine korrekte Umschrift mit dem Namen des Münzherrn und dessen Titulatur oder des Prägeorts vorgetäuscht werden. Solche irreführenden Umschriften tauchen im Mittelalter immer wieder auf. Man findet sie häufig bei den sogenannten immobilisierten Münztypen, wo über einen längeren Zeitraum der gleiche Münztyp unverändert weitergeprägt wurde. Die neuen Prägestempel waren Kopien der älteren Stücke, wobei der sorgfältige Stempelschnitt mit der Zeit verlorenging und dabei nicht nur das Münzbild, sondern auch die Umschrift ungenau wurde. In manchen Fällen waren Schrift und Bild dermassen unlesbar, dass die Prägung sinnlos war, da die Münze als Geldstück nicht definiert werden konnte.

Die Münze gehörte Gottlieb Wüthrich, der eine der umfassendsten Sammlungen von Schweizer Münzen zusammentrug. Diese kamen in Basel bei der Versteigerung der Münzen und Medaillen AG vom 25. bis zum 27. November 1971 unter den Hammer. Wüthrich (1879–1946) war seit 1898 in der Maschinenfabrik Oerlikon und ab 1899 in deren Londoner Niederlassung tätig. Dort war er von 1921 bis zu seinem Tod Direktor.
um 1170–1180
D. 21.9 mm
Silber, Prägung
T 37076
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 106.1.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Kloster, Symbol, Kirche