Münze: Pfennig der Abtei Kempten, geprägt in Kempten im Allgäu zur Zeit von Abt Rudolf II. Wolfgang von Königsegg (1208–1213) oder Heinrich III. von Burtenbach (1213–1224)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: Umschrift aus Kreuzen, Punkten und einzelnen Buchstaben. In Wulstkreis Brustbild der Königin Hildegard, Mäzenin des Klosters und dritte Ehefrau Karls des Grossen, von vorne, über der gebogenen Stirnlinie drei Punkte, die eine Krone andeuten, links Lilie, rechts Kreuzstab (Symbole der Autorität und christlichen Legitimation).
Seit dem 11. Jh. bildeten sich im Bereich des ehemaligen Karolingerreichs in Westeuropa unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gültig war, traten nun unterschiedliche Pfennigsorten in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten, dies aufgrund der zunehmenden politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde.

Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – dasselbe spiegelverkehrt und vertieft abzeichnet.

Der vorliegende Pfennig gehört zur Gruppe der sogenannten Bodenseebrakteaten. Die Wirtschaftsregion rund um den Bodensee wurde im Hoch- und Spätmittelalter von der bischöflichen Münzstätte in Konstanz dominiert. Alle umliegenden Münzstätten wie etwa Lindau, St. Gallen, Ravensburg, Überlingen oder Ulm orientierten sich bei der Ausprägung ihrer Pfennige zunehmend an den Vorbildern aus Konstanz. Seit dem frühen 13. Jh. bildete sich im Bodenseeraum eine besondere Form dieser Pfennige aus, die aufgrund ihrer äusseren Erscheinungsform in der Forschung als Bodenseebrakteaten oder Constantienses bezeichnet werden. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen runden Silberschrötling (Münzplättchen) in der Technik der Brakteatenprägung. Wurde zunächst das Münzbild bei den Bodenseebrakteaten von einem glatten Wulstreif und einem groben Perlkreis bzw. einem Kranz sich abwechselnder Vierecke und Kreuze eingefasst, setzte sich ab ca. 1260/1270 eine Rahmung aus einem glatten Wulstreif und einem äusseren Kranz aus feinen Perlen durch. Im Gegensatz zu den vierzipfligen Pfennigen des benachbarten westalemannischen Währungsraums (Zürich, Nordwestschweiz, Breisgau und Elsass) waren die Bodenseebrakteaten rund. Mit dem Übergang zum Spätmittelalter zerfielen zusehends die bestehenden Währungsräume mit ihren regionalen Währungen. An ihre Stelle treten nun neue, überregionale Nominale und ein mehrstufiges Nominalsystem, welches den Bedürfnissen der aufstrebenden Wirtschaft in Europa besser angepasst ist.

Das Münzbild des vorliegenden Stücks zeigt Königin Hildegard (gest. 783), 3. Ehefrau Karls des Grossen und Förderin der seit 752 bestehenden Abtei Kempten. Die ursprünglich voll ausgeschriebene Umschrift auf früheren Stücken lautet «HILTIGAR REGINA». Beim vorliegenden Stück handelt es sich um einen immobilisierten Münztyp. Diese Bezeichnung benennt in der Numismatik Münztypen, welche über einen langen Zeitraum unverändert weitergeprägt wurden, wobei häufig bei den späteren Stücken eine Vereinfachung in der Darstellung oder auch in der Umschrift festzustellen ist. Der Grund für das Festhalten an dem unveränderten Münzbild, war das Vertrauen, dass die Benutzer diesen Münzen als gute Währung entgegen brachten. Bei diesem Stück wurde die ursprüngliche Umschrift durch Kreuze und Punkte sowie einzelne Buchstaben ersetzt.
um 1210–1218
D. 20.7 mm
Silber, Prägung
T 38373
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 113.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Kloster, Religion, Symbol