Münze: Pfennig der königlichen Münzstätte in Ravensburg, geprägt zur Zeit von König Rudolf I. von Habsburg (1273–1291)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: In Wulst- und Perlkreis dreitürmiges Torgebäude: über einem breiten und geperlten Giebeltor erheben sich drei Türme (Bezug zum Ravensburger Wappen, das sich auf die Veitsburg bezieht), in der Türöffnung befindet sich eine sternartige Rosette.
Seit dem 11. Jh. bildeten sich in Westeuropa im ehemaligen Karolingerreich unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gegolten hatte, traten nun aufgrund der politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt unterschiedliche Pfennigsorten auf, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde. Als wirtschaftliches Zentrum in der Region übernahm die bischöfliche Münzstätte in Konstanz diese Funktion für den Bodenseeraum. Alle umliegenden Münzstätten wie etwa Lindau, St. Gallen, Ravensburg, Überlingen oder Ulm orientierten sich bei der Ausprägung ihrer Pfennige zunehmend an den Vorbildern aus Konstanz. Seit dem frühen 13. Jh. kam im Bodenseeraum eine besondere Form dieser Pfennige in Umlauf, die aufgrund ihrer äusseren Erscheinungsform in der Forschung als Bodenseebrakteaten bezeichnet werden. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen runden Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Münzbild der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – dasselbe spiegelverkehrt und vertieft abzeichnet. Stets wird das Münzbild bei den Bodenseebrakteaten durch einen Kranz aus dicken Perlen und einen glatten Wulstreif eingefasst. Mit dem Übergang zum mehrstufigen Münzsystem im Spätmittelalter wurden die silbernen Bodenseebrakteaten durch neue Münzsorten anderer Machart und Wertstufen abgelöst.
um 1275
D. 20.9 mm
Silber, Prägung
T 37082
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 215.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Architektur