Münze: Pfennig des Bistums Konstanz, geprägt in Konstanz zur Zeit von Bischof Konrad II. von Tegerfelden (1209–1233), aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: In Wulst- und Perlkreis Büste des Bischofs von vorne, der in jeder Hand einen Krummstab (Insignie von Äbten und Bischöfen, die mit dem Stab ihre Funktion als Hirten der Gläubigen symbolisieren) hält, der Brustabschnitt und der Stirnreif der Hörner-Mitra (Kopfbedeckung von Bischöfen und ab Mitte des 12. Jhs. von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit) sind geperlt.
Seit dem 11. Jh. bildeten sich in Westeuropa im ehemaligen Karolingerreich unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gegolten hatte, traten nun aufgrund der politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt unterschiedliche Pfennigsorten auf, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde. Als wirtschaftliches Zentrum in der Region übernahm die bischöfliche Münzstätte in Konstanz diese Funktion für den Bodenseeraum. Alle umliegenden Münzstätten wie etwa Lindau, St. Gallen, Ravensburg, Überlingen oder Ulm orientierten sich bei der Ausprägung ihrer Pfennige zunehmend an den Vorbildern aus Konstanz. Seit dem frühen 13. Jh. kam im Bodenseeraum eine besondere Form dieser Pfennige in Umlauf, die aufgrund ihrer äusseren Erscheinungsform in der Forschung als Bodenseebrakteaten bezeichnet werden. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen runden Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Münzbild der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – dasselbe spiegelverkehrt und vertieft abzeichnet. Stets wird das Münzbild bei den Bodenseebrakteaten durch einen Kranz aus dicken Perlen und einen glatten Wulstreif eingefasst. Mit dem Übergang zum mehrstufigen Münzsystem im Spätmittelalter wurden die silbernen Bodenseebrakteaten durch neue Münzsorten anderer Machart und Wertstufen abgelöst.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler, erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden von Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern erworben.

Dieses Stück stammt gemäss Angaben auf dem Münzkarton vielleicht aus dem Schatzfund von St. Gallen-Zwinglistrasse, Altes Waisenhausgut. 1885 wurden dort rund 400 Münzen des 13. Jhs. zu Tage gebracht, die bedauerlicherweise aber kurz nach der Auffindung im Handel landeten und somit verstreut wurden.
um 1210–1230
D. 20.5 mm
Silber, Prägung
T 9438
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 9.

Benedikt Zäch, Kanton St. Gallen I, Mittelalterliche und neuzeitliche Münzfunde (Inventar der Fundmünzen der Schweiz, Bd. 6), St. Gallen 2001, S. 53–60 (zur Fundstelle).
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Kirche, Symbol