Münze: Schüsselförmiges 2-Pfennig-Stück der Stadt St. Gallen, geprägt in St. Gallen

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Vs.: In Linien- und Strichelkreis ein aufrecht stehender und heraldisch nach rechts schreitender Bär mit Halsband, flankiert von «2 – D» (2 Denari, lateinische Abkürzung für 2 Pfennige), darunter Münzmeisterzeichen «A» in runder Rahmung.
Dieser St. Galler Zweier in der Machart der Schüsselpfennige entstand in mehreren Arbeitsschritten: Zunächst wurde das zu prägende Billon (eine Legierung aus Kupfer und Silber) zu einem dünnen Metallstreifen gewalzt. Das Münzmotiv prägte anschliessend eine Welle bzw. eine Walze auf das Blech. Die Münze konnte danach ausgeschnitten und mit Holzwerkzeugen und dem Holzhammer auf einer konvexen Unterlage in die charakteristische Schüsselform geschlagen werden. Der Grund für den letzten zusätzlichen Arbeitsschritt ist nicht bekannt, könnte jedoch einen praktischen Nutzen gehabt haben, etwa um die Schüsselpfennige von der Vielzahl der in St. Gallen zirkulierenden Kleingeld-Währungen zu unterscheiden. Möglicherweise wurde die besondere Ausformung auch aus Gründen der Stabilität und Langlebigkeit vorgenommen: Die leichte Wölbung macht die Münze widerstandsfähiger gegen Abnutzung und Verformung.

Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigt einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.
Anhorn, Hans Caspar (1660–1736), Goldschmied, Stadtrichter, Münzwardein, Münzmeister

Anhorn, Sebastian (1685–1743), Münzmeister
um 1715/1720–1727
D. 14.3 mm
Billon, Prägung
T 36124
Edwin Tobler, Benedikt Zäch, Samuel Nussbaum, Die Münzprägung der Stadt St. Gallen 1407–1797 (Schweizer Studien zur Numismatik, Bd. 2), St. Gallen 2008, Nr. 159b.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Religion, Tier

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