Münze: Sogenannter Neutaler im Wert von 4 Franken des Kantons Appenzell Ausserrhoden, geprägt in Bern, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: In Strichelkreis Umschrift: «CANTON APPENZELL – 1816 .». In aus zwei Zweigen geformtem Lorbeerkranz (Symbol des Siegs und Ruhms) nach links aufrecht schreitender Bär mit ausgerollter Zunge und ausgefahrenen Krallen, flankiert von «V – R» (UR für Ussroden).
Rs.: In Strichelkreis Umschrift: «IEDEM DAS – SEINIGE .». Auf Bodenleiste stehender Krieger nach rechts blickend, in «altschweizerisch-vaterländischer Tracht» in Anlehnung an die Söldnerkleidung des 16. Jhs. mit geschlitzten Beinkleidern, geschlitztem Wams, Radkragen und Federhut (Freiheitshut, Symbol für die Freiheit), seine rechte Hand umfasst den Griff eines Zweihänder-Langschwerts mit geflammter Klinge und gebogener Parierstange (Symbol der Wehrhaftigkeit und militärischen Stärke). Linker Unterarm auf dem oberen Rand eines spitzen Schweizer Wappenschilds liegend, unter Bodenleiste die Wertangabe «4 . FRANKN[N hochgestellt] :».
Seit dem Ende des 18. Jhs. prägten eine Reihe eidgenössischer Orte, ab 1803 die Kantone, grosse Silbermünzen im Wert von 40 Batzen. Diese Münzen waren allgemein als Neutaler bekannt. Ihre Bezeichnung bezog sich ursprünglich auf die französischen Écu zu 6 livres (grosse Silbermünzen), die ab 1726 in beträchtlicher Anzahl ausgegeben worden waren. Auch in der Schweiz waren französische Écu in Umlauf, wo Ende des 18. Jhs. ein Écu zu 40 Batzen gehandelt und als Neutaler bezeichnet wurde. Die wertgleichen Stücke der eidgenössischen Orte bzw. Kantone wurden im Volksmund daher ebenfalls Neutaler genannt.

Die Aussage «Jedem das Seine» beruht auf dem verkürzten Leitspruch «suum cuique» des römischen Dichters und Staatsmanns Marcus Tullius Cicero (106–43 v.Chr.). Von ihm stammt die Devise «Justitia suum cuique distribuit» (Die Gerechtigkeit teilt jedem das Seine zu). Dabei geht es um ein moralisches und juristisches Prinzip, das Gerechtigkeit proklamiert, indem jeder Bürger einer Gesellschaft gebührend und verlässlich am Gemeinwesen beteiligt wird.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1816
D. 40 mm
Silber, Prägung
T 34933
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 63.

Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 1967, Nr. 155.

Balázs Kapossy, Freiheitsheld als liebevoller Vater, in: Zwischen Entsetzen und Frohlocken, Vom Ancien Régime zum Bundesstaat 1798–1848, Ausstellungskatalog, Bernisches Historisches Museum, Bern 1998, S. 91.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Heraldik, Symbol, Tier, Botanik, Militaria