Münze: Sogenannter Neutaler im Wert von 4 Franken des Kantons Freiburg, geprägt in Freiburg, aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Vs.: In Strichelkreis Umschrift: «CANTON – FREYBURG – 1813 .». Mit Lilienkrone bekröntes Freiburger Wappen in ovalem, von Volutenrapport gerahmtem Schild zwischen Lorbeer- und Palmzweigen (Symbole des Siegs und Ruhms sowie des Friedens), darunter Jahreszahl.
Rs.: In Strichelkreis Umschrift: «SCHWEIZER[ISCHE]E [E über Punkt] – EIDSGENOSS[ENSCHAF]T[T über Punkt]». Auf Bodenplatte stehender, nach rechts blickender Krieger in «altschweizerisch-vaterländischer Tracht» in Anlehnung an die Söldnerkleidung des 16. Jhs. mit geschlitzten Beinkleidern, geschlitztem Wams und Federhut (Freiheitssymbol), in seiner Rechten ein mit der Klingenspitze auf den Boden gestütztes Schwert mit geflammter Klinge, breiter gerader Parierstange mit Kleeblattenden und einem schräg gerillten Heft. Seine linke Hand liegt auf dem eingerollten Blatt der Kartusche des ovalen Schilds mit Inschrift «XIX / CANT .» (19 Kantone), mit den Angaben «XIX / CANT» (19 Kantone) haltend, unter Bodenplatte die Wertangabe.

Der 1803 wiedererstandene eidgenössische Staatenbund bestand in der Mediationszeit (1803–1813) aus 19 Kantonen. Genf, Wallis und Neuenburg sind seit dem Wiener Kongress 1815 der Eidgenossenschaft angegliedert.
Seit dem Ende des 18. Jhs. prägten eine Reihe eidgenössischer Orte, ab 1803 die Kantone, grosse Silbermünzen im Wert von 40 Batzen. Diese Münzen waren allgemein als Neutaler bekannt. Ihre Bezeichnung bezog sich ursprünglich auf die französischen Écu zu 6 livres (grosse Silbermünzen), die ab 1726 in beträchtlicher Anzahl ausgegeben worden waren. Auch in der Schweiz waren französische Écu in Umlauf, wo Ende des 18. Jhs. ein Écu zu 40 Batzen gehandelt und als Neutaler bezeichnet wurde. Die wertgleichen Stücke der eidgenössischen Orte bzw. Kantone wurden im Volksmund daher ebenfalls Neutaler genannt.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
1813
D. 39.6 mm
Silber, Prägung
T 35990
Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 1967, Nr. 104.

Balázs Kapossy, Freiheitsheld als liebevoller Vater, in: Zwischen Entsetzen und Frohlocken, Vom Ancien Régime zum Bundesstaat 1798–1848, Ausstellungskatalog, Bernisches Historisches Museum, Bern 1998, S. 91.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Heraldik, Symbol, Botanik, Militaria