Münze: Sogenannter Neutaler im Wert von 4 Franken des Kantons Luzern, geprägt in Luzern, aus der numismatischen Sammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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Vs.: In Strichelkreis Umschrift: «CANTON – LUZERN». Mit Lilienkrone bekröntes, ovales Luzerner Wappen, gerahmt mit gekordelter Schnur, auf spatenförmigem Schild, zwischen zwei Palmzweigen (Symbol des Siegs und Friedens), unten Jahreszahl.
Rs.: In Strichelkreis Umschrift: «SCHWEIZER[ISCH]E [E über Doppelpunkt] – EIDSGENOSSEN[SCHAF]T [T über Punkt]». Stehender, nach rechts blickender Krieger in «altschweizerisch-vaterländischer Tracht» in Anlehnung an die Söldnerkleidung des 16. Jhs. mit geschlitzten Beinkleidern, geschlitztem Wams und Federhut (Freiheitssymbol) sowie eine Hellebarde in seiner Rechten haltend. Sein linker Arm liegt auf der Oberkante eines unten gerundeten Schilds mit eingezogenen Seiten, seitlich von Palmzweigen gerahmt und auf einem Podest stehend, auf dessen Stirnseite ein Feston aus Blättern verläuft. Schild mit Inschrift «XIX / CANT .» (19 Kantone), im Abschnitt die Angaben «4 . FRANKEN».

Der 1803 wiedererstandene eidgenössische Staatenbund bestand in der Mediationszeit (1803–1813) aus 19 Kantonen. Genf, Wallis und Neuenburg sind seit dem Wiener Kongress 1815 der Eidgenossenschaft angegliedert. Vorliegende Münze entstand kurz vor der Erweiterung des Staatenbunds.
Seit dem Ende des 18. Jhs. prägten eine Reihe eidgenössischer Orte, ab 1803 die Kantone, grosse Silbermünzen im Wert von 40 Batzen. Diese Münzen waren allgemein als Neutaler bekannt. Ihre Bezeichnung bezog sich ursprünglich auf die französischen Écu zu 6 livres (grosse Silbermünzen), die ab 1726 in beträchtlicher Anzahl ausgegeben worden waren. Auch in der Schweiz waren französische Écu in Umlauf, wo Ende des 18. Jhs. ein Écu zu 40 Batzen gehandelt und als Neutaler bezeichnet wurde. Die wertgleichen Stücke der eidgenössischen Orte bzw. Kantone wurden im Volksmund daher ebenfalls Neutaler genannt.

Marie Elise Bachmann (1879–1955) vermachte 1948 mittels Erbvertrag dem Kanton Thurgau Schloss Frauenfeld samt Hausrat sowie auch die umfangreiche Antiquitätensammlung ihrer Eltern. Ihr Vater Jakob Huldreich Bachmann (1843–1915), Politiker und Jurist, der 1896 Bundesrichter wurde, sammelte unter anderem Glasscheiben, Gemälde, Waffen und Möbel. Ein Sammlungsschwerpunkt waren auch Münzen, von denen er jedoch 1917 einen Teil verkaufte. Nach dem Tod von Marie Elise Bachmann (1955) übernahm der Kanton die Sammlung, die aus mehr als 90 numismatischen Objekten bestand. Das Schloss Frauenfeld wurde später zum Historischen Museum Thurgau umgestaltet.
1814
D. 39.6 mm
Silber, Prägung
T 36084
Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert, Zürich 1967, Nr. 53.

Balázs Kapossy, Freiheitsheld als liebevoller Vater, in: Zwischen Entsetzen und Frohlocken, Vom Ancien Régime zum Bundesstaat 1798–1848, Ausstellungskatalog, Bernisches Historisches Museum, Bern 1998, S. 91.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Heraldik, Symbol, Botanik, Militaria,