Petschaft: Ovaler Siegelstempel der Polizeikommission des Kantons Thurgau, mit Handhabe

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Vs.: «CANTON THURGAU», spiegelverkehrt, im Feld zweizeiliger Schriftzug: «POLIZEY / COMMISSION», spiegelverkehrt, zwischen Girlanden. Aussen ovale Perlrahmung.
Rs.: Handhabe aus achteckigem Schaft mit abgesetztem polygonalem Fuss, welcher zu einer ovalen Bodenplatte ausläuft.
Mit der Gründung des Kantons Thurgau 1803 übernahm der neunköpfige Kleine Rat die Regierungsgeschäfte, bei welchen er von ständig eingerichteten Kommissionen unterstützt wurde. Die 1803 gegründete Kommission für Polizei und Justiz war zuständig für das Waisenwesen, die Archive und Buchdruckereien sowie die Zensur und kümmerte sich um die Veröffentlichung und Vollziehung von Gesetzen und Beschlüssen. Mit dem Geschäftsreglement des Kleinen Rats vom 9. Juni 1840 trat anstelle vom bisherigen Kommissional- das Departementalsystem. Das damals eingeführte Justiz- und Polizeidepartement wurde 1991 ins heutige Departement für Justiz und Sicherheit umgewandelt.

Der vorliegende Siegelstempel lässt sich aufgrund eines Eintrags in der Staatsrechnung des Kantons Thurgau von 1816 datieren. Darin wird ein Ausgabenposten von sechs Gulden für die Anschaffung eines Siegelstempels für die Polizeikommission verzeichnet.
1816
L. 4.7, B. 2.5, H. 3.2 cm
Eisen, gegossen, geschmiedet, graviert, punziert, poliert
Mc 36
Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben des Kleinen Raths des Cantons Thurgau pro 1816 (Staatsrechnung), Staatsarchiv Thurgau (StATG), 4'305'13, S. 141.

Bruno Meyer, Geschichte des thurgauischen Staatsarchives, in: Festgabe für Regierungsrat Anton Schmid zu seinem 25. Amtsjahre als Mitglied der thurgauischen Kantonsregierung, Frauenfeld 1942, S. 119–187, bes. S. 142, Anm. 89.

Benedikt Zäch, Zwei Winterthurer Medailleure: Johann (1774–1851) und Friedrich Aberli (1800–1872), in: Schweizer Münzblätter, Band 46, 1996, S. 124–136.
Schlagwörter: Sphragistik, Kunsthandwerk, Staatliche Institutionen, Kommunikation, Justiz