Prägestempel: Positives Werkstück (Patrize) zur Herstellung des Rückseitenprägestempels für die Ereignismedaille «Schützenmedaille» zum Eidgenössischem Schützenfest in Frauenfeld

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Zylinderförmiger Prägestock. Die stehende Helvetia mit Helm, in der rechten Hand ein Schwert, dieses auf Schloss Frauenfeld im Hintergrund gerichtet, mit der Linken einen Rundschild schützend über die sitzende Verkörperung der Stadt Frauenfeld als junge Frau haltend, deren rechter Unterarm auf Feldfrüchten ruht, während ihre linke Hand auf dem Thurgauer Wappenschild liegt.
Im Umfeld Kratzer und Rand des Schilds beschädigt.

Patrize zur Herstellung des Prägestempels Inv. Nr. T 24520.
Das Eidgenössische Schützenfest 1890 fand vom 20. bis zum 30. Juli in Frauenfeld statt. Der bekannte Genfer Medailleur Hugues Bovy schuf die Prägestempel für die offiziellen Festmedaillen, die in Gold, Silber, Bronze und Weissmetall ausgegeben wurden.

Die Darstellung nimmt Bezug auf den 1848 formierten Schweizer Nationalstaat. Die stehende Helvetia mit Schwert und Schild verkörpert nicht nur die Schweiz, sondern auch den Nationalstaat als wehrhaftes und schützendes Staatsgebilde. Die Allegorie der Stadt Frauenfeld als sitzende junge Frau mit dem Thurgauer Wappen findet als Teil der Schweizer Eidgenossenschaft Schutz unter dem von der Helvetia gehaltenen Schild. Im Hintergrund erscheint das Schloss als markantestes Gebäude Frauenfelds, ein weiterer Hinweis auf den Austragungsort.

Beim vorliegenden Objekt handelt es sich nicht um den Stempel, mit dem die Medaillen geprägt wurden, sondern um das Werkstück (Patrize) zur Fertigung des Prägestempels. Dank der in der 2. Hälfte des 19. Jhs. erfundenen Reduziermaschine wurde das von einem Künstler geschaffene überdimensionierte Gipsmodell mittels eines mechanischen Prozesses in reduziertem Format auf einen stählernen Prägestock, der Patrize, übertragen. Dank Senkverfahren entstand aus dem erhabenen Bild (Patrize) das Negativbild auf einem weiteren Prägestempel (Matrize), der nach Überarbeitung der Details (Nachgravierung) und Hinzufügen von Schriften als Ober- und Untereisen der Stempelpresse für die Medaillenherstellung diente.
Das Verfahren ermöglichte die Produktion einer Vielzahl von Stempeln desselben Gipsmodells, weshalb innerhalb kürzester Zeit neue identische Stücke angefertigt werden konnten.

Schützenfeste fanden seit dem 15. Jh. in der heutigen Ostschweiz statt. Im 19. Jh. nahm die Anzahl dieser Wettkämpfe sprunghaft zu. Innerhalb kurzer Zeit etablierten sich überall in der Schweiz neue Schiessvereine. Die eidgenössischen und kantonalen Schützenfeste galten zusammen mit den Turnfesten als Kristallisationspunkte für das entstehende schweizerische Nationalgefühl. Zum ersten Eidgenössischen Schützenfest trafen sich die Schützen 1824 in Aarau. Von da an kam es in unregelmässigen Abständen von zwei bis zehn Jahren an verschiedenen Orten in der Schweiz zur Austragung dieser Anlässe.

Mit dem Prägestempel, angefertigt nach vorliegender Patrize, wurden Medaillen in Gold (119 Stk.), in Silber (5760 Stk.), in Kupfer (4500 Stk.) und in Aluminium (24 Stk.) ausgegeben.
Bovy, Hugues (1841–1903), Medailleur in Genf

Furet, Jean-Louis, Prägeanstalt (1887–1898) in Genf
1890
H. 35, D. 49 mm
Stahl, geschmiedet, graviert, gepunzt, poliert
T 24520.1
Jacques Mayor, Les médailles du tir fédéral de Frauenfeld, in: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, Bd. 9, 1890, S. 199–208.

Festzeitung auf das Eidgenössische Schützenfest in Frauenfeld, Juli 1890, Frauenfeld 1890.

Jean Louis Martin, Schützenbecher der Schweiz, Lausanne 1983, S. 164.

Jürg Richter, Die Schützentaler und Schützenmedaillen der Schweiz, Regenstauf 2005, S. 230 Nr. 1250 (Medaille).
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Vereinswesen, Waffen, Anlässe, Andenken, Erinnerung, Allegorie, Heraldik, Tier