Prägestempel: Positives Werkstück (Patrize) zur Herstellung des Vorderseitenprägestempels für die Ereignismedaille «Schützenmedaille» zum Eidgenössischem Schützenfest in Frauenfeld

zurück

Zylinderförmiger Prägestock. Eingebuchteter Frauenfelder Wappenschild mit stehender Frauenfigur in Renaissancetracht, den vor ihr aufrecht schreitenden Löwen an einer Kette haltend («Fräuli mit Leuli»). Dieser auf Waffentrophäen aus gekreuzten Vetterligewehren, Stutzern und einer Zeigekelle sowie gekreuztem Lorbeer- und Eichenzweig. Kugelförmiger Metallausbruch im unteren Bereich des Wappenschilds, wohl um das Werkstück nach Ausführung des Prägeauftrags unbrauchbar zu machen, im Umfeld Kratzer und winzige rosettenartige Punzierungen.

Patrize zur Herstellung des Prägestempels Inv. Nr. T 24519.
Das Eidgenössische Schützenfest 1890 fand vom 20. bis zum 30. Juli in Frauenfeld statt. Der bekannte Genfer Medailleur Hugues Bovy schuf die Prägestempel für die offiziellen Festmedaillen, die in Gold, Silber, Bronze und Weissmetall ausgegeben wurden.

Beim vorliegenden Objekt handelt es sich nicht um den Prägestempel, mit dem die Medaillen geprägt wurden, sondern um das Werkstück (Patrize) zur Fertigung des Prägestempels. Dank der in der 2. Hälfte des 19. Jhs. erfundenen Reduziermaschine wurde das von einem Künstler geschaffene überdimensionierte Gipsmodell mittels eines mechanischen Verfahrens in reduziertem Format auf einen stählernen Prägestock, der Patrize, übertragen. Mittels Senkverfahren entstand aus dem erhabenen Bild (Patrize) das Negativbild auf einem weiteren Prägestempel (Matrize), der nach Überarbeitung der Details (Nachgravierung) und Hinzufügen von Schriften als Ober- und Untereisen der Stempelpresse für die Medaillenherstellung diente. Vor dem ersten Einsatz der Prägestempel musste die Härtung im Feuer erfolgen.
Aufgrund dieses Herstellungsverfahrens modellierte der Künstler alle Details einer Medaille bereits am Gipsmodell. Zudem konnten gleichzeitig eine Vielzahl von Prägestempel hergestellt bzw. bei einer Beschädigung dieser innerhalb kürzester Zeit neue identische Stücke angefertigt werden.

Die Darstellung des Frauenfelder Stadtwappens nimmt Bezug auf den Austragungsort, die gekreuzten Gewehre und der Kranz auf den Schiesssport.

Schützenfeste fanden seit dem 15. Jh. in der heutigen Ostschweiz statt. Im 19. Jh. nahm die Anzahl dieser Wettkämpfe sprunghaft zu. Innerhalb kurzer Zeit etablierten sich überall in der Schweiz neue Schiessvereine. Die eidgenössischen und kantonalen Schützenfeste galten zusammen mit den Turnfesten als Kristallisationspunkte für das entstehende schweizerische Nationalgefühl. Zum ersten Eidgenössischen Schützenfest trafen sich die Schützen 1824 in Aarau. Von da an kam es in unregelmässigen Abständen von zwei bis zehn Jahren an verschiedenen Orten in der Schweiz zur Austragung dieser Anlässe.

Mit dem Prägestempel, angefertigt nach vorliegender Patrize, wurden Medaillen in Gold (119 Stk.), in Silber (5760 Stk.), in Kupfer (4500 Stk.) und in Aluminium (24 Stk.) ausgegeben.
Bovy, Hugues (1841–1903), Medailleur in Genf

Furet, Jean-Louis, Prägeanstalt (1887–1898) in Genf
1890
H. 34, D. 48 mm
Stahl, geschmiedet, graviert, gepunzt, poliert
T 24519.1
Jacques Mayor, Les médailles du tir fédéral de Frauenfeld, in: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, Bd. 9, 1890, S. 199–208.

Festzeitung auf das Eidgenössische Schützenfest in Frauenfeld, Juli 1890, Frauenfeld 1890.

Jean Louis Martin, Schützenbecher der Schweiz, Lausanne 1983, S. 164.

Jürg Richter, Die Schützentaler und Schützenmedaillen der Schweiz, Regenstauf 2005, S. 230 Nr. 1250 (Medaille).
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Vereinswesen, Waffen, Anlässe, Andenken, Erinnerung, Heraldik, Tier