Rückseitenprägestempel (Matrize) für die Ereignismedaille «Schützenmedaille» zum Eidgenössischem Schützenfest in Frauenfeld

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Zylinderförmiger Prägestock mit erhöhter Prägeplatte. Umschrift: «HEIL DIR HELVETIA», spiegelverkehrt. Die stehende Helvetia mit Helm, in der linken Hand ein Schwert, dieses auf Schloss Frauenfeld im Hintergrund gerichtet, mit der Rechten einen Rundschild schützend über die sitzende Verkörperung der Stadt Frauenfeld als junge Frau haltend, deren linker Unterarm auf Feldfrüchten ruht, während ihre rechte Hand auf dem Thurgauer Wappenschild liegt. Unterhalb der Abschnittsleiste das Jahr der Kantonsgründung: «1803», spiegelverkehrt, dem Rund des Rands folgend die Künstlersignatur: «HUGUES BOVY .», spiegelverkehrt. Runder Metallausbruch in der Mitte der Prägeplatte, wohl um den Prägestempel nach Ausführung des Prägeauftrags unbrauchbar zu machen.

Zugehörig zu Inv. Nr. T 24519.
Das Eidgenössische Schützenfest 1890 fand vom 20. bis zum 30. Juli in Frauenfeld statt. Der bekannte Genfer Medailleur Hugues Bovy schuf die Prägestempel für die offiziellen Festmedaillen, die in Gold, Silber, Bronze und Weissmetall ausgegeben wurden.

Die Darstellung nimmt Bezug auf den 1848 formierten Schweizer Nationalstaat. Die stehende Helvetia mit Schwert und Schild verkörpert nicht nur die Schweiz, sondern auch den Nationalstaat als wehrhaftes und schützendes Staatsgebilde. Die Allegorie der Stadt Frauenfeld als sitzende junge Frau mit dem Thurgauer Wappen findet als Teil der Schweizer Eidgenossenschaft Schutz unter dem von der Helvetia gehaltenen Schild. Im Hintergrund erscheint das Schloss als markantestes Gebäude Frauenfelds, ein weiterer Hinweis auf den Austragungsort.

Schützenfeste fanden seit dem 15. Jh. in der heutigen Ostschweiz statt. Im 19. Jh. nahm die Anzahl dieser Wettkämpfe sprunghaft zu. Innerhalb kurzer Zeit etablierten sich überall in der Schweiz neue Schiessvereine. Die eidgenössischen und kantonalen Schützenfeste galten zusammen mit den Turnfesten als Kristallisationspunkte für das entstehende schweizerische Nationalgefühl. Zum ersten Eidgenössischen Schützenfest trafen sich die Schützen 1824 in Aarau. Von da an kam es in unregelmässigen Abständen von zwei bis zehn Jahren an verschiedenen Orten in der Schweiz zur Austragung dieser Anlässe.

Von den mit diesem Prägestempel gefertigten Medaillen wurden 119 Stück in Gold, 5760 in Silber, 4500 in Kupfer und 24 in Aluminium ausgegeben.
Bovy, Hugues (1841–1903), Medailleur in Genf

Furet, Jean-Louis, Prägeanstalt (1887–1898) in Genf
1890
Prägestock H. 35, D. 59 mm, Prägebild D. 45 mm
Stahl, geschmiedet, graviert, gepunzt, poliert
T 24520
Jacques Mayor, Les médailles du tir fédéral de Frauenfeld, in: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, Bd. 9, 1890, S. 199–208.

Festzeitung auf das Eidgenössische Schützenfest in Frauenfeld, Juli 1890, Frauenfeld 1890.

Jean Louis Martin, Schützenbecher der Schweiz, Lausanne 1983, S. 164.

Jürg Richter, Die Schützentaler und Schützenmedaillen der Schweiz, Regenstauf 2005, S. 230 Nr. 1250 (Medaille).
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Vereinswesen, Waffen, Anlässe, Andenken, Erinnerung, Allegorie, Heraldik, Tier