Stickbild (Durchstichbildchen): Kleines Andachtsbild mit Heiligstem Herzen Jesu, Andenken für Caroline Fischer anlässlich der heiligen Profession (Ordensgelübde) ihrer Schwester Johanna (1815–1898) im Dominikanerinnenkloster St. Katharinental bei Diessenhofen

zurück

 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

Vorderseite

Ovales Stickbild, auf Rückseite gegengleiche Darstellung.
Landschaft mit Palmen, gelbem Vogel, roten Herzen, flammendem Heiligsten Herz Jesu, weisser Taube (Heiliger Geist) und Posaunen unter Wolken.
Schriftband mit roter Schrift «Gottes Stimme will ich hören», auf anderer Seite «Nichts wird meinen Frieden stören».

Handschrift mit Widmung:
«Caroline Fischer zum Andenken von Deiner lb. Schwester M. Johanna Henrica am Tage ihrer heiligen Profession den 4. Augst 1846».
Die Klosterfrau Johanna Henrica (mit bürgerlichem Namen Maria Anna Fischer) war die Tochter von Johann Heinrich Fischer (1790–1861?), einem führenden liberalen Politiker seiner Zeit. Fischers Bestrebungen mündeten 1830 im Sturz der Aargauer Regierung und in der Folge zu seiner Entfremdung vom katholischen Freiamt und von seiner Familie. Nach einem Internatsaufenthalt im Kloster Maria Opferung in Zug arbeitete Maria Anna Fischer als Arbeitslehrerin und trat 1844 ins Kloster St. Katharinental ein, wo sie als Lehrerin im Waisenhaus und als Organistin tätig war. Anders als ihre klösterlichen Mitschwestern trennte sich Sr. Johanna nach der Klosteraufhebung 1868 vom Konvent und führte ein Leben als weltlich gekleidete Chorfrau. Dank ihrem Testament wurde 1897 mit ihrem beträchtlichen Vermögen eine salesianische Erziehungsanstalt im Konvent des ehemaligen Klosters Muri eröffnet. Ihre Schwester Caroline (1825–1909), an welche das Blatt gerichtet ist, war Arbeitsschulinspektorin im Bezirk Muri und später Gouvernante. Josefine Fischer (1827–1898), eine weitere Schwester, lernte ihren Ehemann, den Frauenfelder Karl Rogg im Kloster St. Katharinental beim Besuch von Johanna kennen. Das Stickbild blieb bis zu seiner Übergabe ans Museum bei den Nachkommen der Familie Rogg.

1846
H. 10, B. 6.7 cm
Stickerei in Nadelmalerei mit farbiger Seide und Goldlahn (Klosterarbeit), Handschrift in rote Tinte auf Pergament
T 9238
Rudolf Henggeler, Der Totenrodel des Klosters St. Katharinenthal bei Diessenhofen, in: Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte, Bd. 26, 1932, S. 188. https://www.e-periodica.ch/cntmng?var=true&pid=zfk-001:1932:26::341, aufgerufen am 30.03.2023.

Verena Baumer-Müller, «General» Heinrich Fischer (Jahresschrift der Historischen Gesellschaft Freiamt, 61. Jahrgang), 1991, S. 69–79.

Hans Gärtner, Andachtsbildchen, Kleinode privater Frömmigkeitskultur, München 2004, S. 52–57.
Schlagwörter: Textilien, Handarbeit, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Persönliche Schreiben, Religion katholisch, Brauchtum, Anlässe, Kloster, Andenken, Erinnerung, Symbol