Zunftkanne der Frauenfelder Konstaffel-Gesellschaft (Ratskanne), Kopie des 19. Jhs. nach dem Original aus dem 16. Jh. im Bayerischen Nationalmuseum München

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Kanne mit reliefiertem Wappen, plastisch gestaltetem Knauf in Form eines Löwen, geschwungenem Ausguss mit Tierkopf.
Mit Kannen solcher Art wurde im 16. und 17. Jh. in Ratshäusern und Zunftstuben bei besonderen Anlässen Wein ausgeschenkt. Im 19. Jh. waren sie beliebte Gegenstände zur Dekoration von Räumen im altschweizerischen oder altdeutschen Stil mit Wand- und Deckentäfelung und geschnitzten schweren Möbeln.
In Frauenfeld war die originale Kanne bei Anlässen der «Gesellschaft der Oberen Stube» und jener «Zum Wilden Mann», die sich 1640 zur Konstaffel-Gesellschaft zusammenschlossen, im Einsatz.

Eines der angesehensten Schweizer Ateliers für Schmiede- und Gussarbeiten war die Werkstatt Bossard in Luzern, die 1868–1997 kostbares Kunsthandwerk anfertigte und mit der Reproduktion von Erzeugnissen nach historischen Vorlagen einen herausragenden Ruf erlangte. Namentlich Karl Johann Bossard, da er zudem als Kunsthändler und Raumgestalter die noble Gesellschaft beriet und sie mit passenden Stücken belieferte. In seiner Werkstatt in Luzern beschäftigte er um die 20 Mitarbeiter. Zudem vergab er Aufträge an externe Fachkräfte, wie den Giessern Franz und Karl Locher, welche die Konstaffel-Kanne anfertigten. Dafür diente ihnen ein Gipsmodell, das vermutlich im Atelier Bossard nach der originalen Kanne entstand. 1904 erwarb der Dresdener Zinnsammler Hans Demiani diverse Kannenrepliken, darunter eine Frauenfelder Ratskanne für CHF 200.–.
Bossard, Karl Johann (Silvan) (1846–1914), Zinngiesser in Luzern
1904
H. 42, B. 33, T. 21 cm; Mit aufgestelltem Henkel: H. 47 cm
Zinn, gegossen
T 22604
Tapan Bhattacharya, Johann Karl Bossard, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 08.09.2010. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022166/2010-09-08/, aufgerufen am 06.01.2024.

Bossard Luzern 1868–1997, Gold- und Silberschmiede, Kunsthändler, Ausstatter, hrsg. Christian Hörack, Schweizerisches Nationalmuseum, 2023, S. 88–90, Abb. 39, 41.
Schlagwörter: Zinn, Kunsthandwerk, Behältnisse, Trinken, Anlässe, Herrschaft, Heraldik, Tier