Fotografie: Das Bauwerk «Basilica Aemilia» auf dem Forum Romanum in Rom, aus der Fotografie-Sammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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Reisesouvenir in Form einer frühen Schwarz-Weiss-Fotografie von
einer Vedute mit archäologischer Stätte.
Die «Basilica Aemilia» wurde um 179 v. Chr. von der mächtigen römischen Patrizierfamilie, der Aemilier, erbaut. Sie diente mehrheitlich als Bank und Börse und erfuhr mehrere Brände, Sanierungen und Erweiterungen, bis sie vermutlich im Jahr 410/11 bei der Plünderung Roms endgültig zerstört wurde. Ihre Reste fanden später als Baumaterial in Form von Spolien Verwendung.
Bildunterschrift: «3504 – ROMA – Dettagli della Basilica Emilia – Tabernae [Läden] – A.D. 500 – Anderson».
Die Ernennung Roms zur Hauptstadt des neu gegründeten italienischen Staats 1870/71 dynamisierte die Ausgrabungstätigkeit und die archäologische Erschliessung Roms insbesondere des Forums Romanum. Das Interesse der damaligen Archäologie galt der antiken römischen Kaiserzeit, weshalb spätere Schichten häufig achtlos, ohne detaillierte Bestandsaufnahmen abgetragen wurden. Während erste Ausgrabungen auf dem Forum bereits am Anfang des 19. Jhs. stattgefunden hatten, begann die Freilegung der «Basilica Aemilia» 1899 unter der Leitung des Archäologen Giacomo Boni (1859–1925) und wurde in den 1930er-Jahren beendet. Der Monumentalbau liegt auf der nördlichen Längsseite des Forums Romanum, wo zuvor nachantike Wohnhäuser die Ausgrabung der kaiserzeitlichen Schicht verhindert hatten.
Die zahlreichen Ruinen verfallener antiker Gebäude waren lange Zeit als «Bauteillager» der Stadt Rom von hohem Nutzen. So wurden die gut erhaltenen steinernen Überreste als sogenannte Spolien beim Bauen wiederverwendet.

James Anderson (1813–1877) wurde als Isaac Atkinson in Blencarn, England, geboren. Der englische Maler liess sich 1838/39 in Rom nieder und fertigte dort Stadtskizzen und Ruinengemälde an. Ab 1845 interessierte er sich zunehmend für die Fotografie und eröffnete 1853 ein Fotoatelier. Sein Fokus lag auf Lichtbildern von Kunstwerken, Baudenkmälern sowie Ausgrabungsstätten antiker Monumente in Rom, wobei ihm bei der Komposition sein geschultes Auge als Maler zugute kam. Zudem fotografierte Anderson römische Denkmäler in einer Zeit, als die Ausgrabungstätigkeit einen Boom erlebte. Seine Ansichten wurden als Reisesouvenirs durch den Buchhändler Josef Spithöfer (1813–1892) an der Piazza di Spagna vertrieben. Über drei Generationen blieb das Fotogeschäft Anderson in Familienhand. 1963 wurde das Archiv mit rund 30 000 Glasnegativen ins Archiv Alinari in Florenz eingegliedert.
Anderson (1853–1940er-Jahre), Fotounternehmen in Rom
2. Hälfte 19. Jh.
H. 39, B. 30 cm, Bildmass H. 20, B. 26 cm
Schwarz-Weiss-Fotografie auf Albuminpapier, geklebt auf Karton
T 38644.392
memoria fotografica, Italienbilder aus der kunsthistorischen Fotothek, Begleitheft zur Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg 14.11.2014 bis 24.01.2015, Heidelberg 2014.

In Light of Rome, Early Photography in the Capital of the Art World, 1842–1871, Pennsylvania 2022.

Maria Antonella Pelizzari, The Idea of Italy, Photography and the British Imagination, 1840–1900, Yale 2022, S. 68–87.

Fotostiftung Schweiz, Anderson. https://fotostiftung.ch/index/anderson-domenico/, aufgerufen am 29.11.2023.

Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Domenico Anderson, https://www.biblhertz.it/de/photographers/domenico-anderson, aufgerufen 05.12.2023.

Digitales Forum Romanum, Die Erforschung des Forums, https://www.projekte.hu-berlin.de/de/digitales-forum-romanum/forum-romanum/die-erforschung-des-forums, aufgerufen 31.01.2024.
Schlagwörter: Hauswirtschaft, Wohnen, Andenken, Reisen, Fotografie, Architektur, Städtebau, Handel