Glasmalerei: Bildscheibe mit der Hochzeit zu Kana und ergänztem Wappen der Sophia vom Grüth (von Greuth), Äbtissin im Zisterzienserinnenkloster Tänikon bei Aadorf, eventuelle Stiftung in den Kreuzgang vom Zisterzienserinnenkloster Tänikon bei Aadorf

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Rechts ist die Hochzeitsgesellschaft zu Kana in einem Festsaal mit Butzenfenstern um einen gedeckten, in die Tiefe fluchtenden Tisch versammelt, an dessen Vorderkante der in einen hellbraunen Mantel gekleidete Jesus Christus auf einem Schemel sitzt.
Im gegenüberliegenden Feld erscheint Christus stehend vor dem Gebäude beim Vollzug seines Wunders, indem er die Bediensteten Wasser in die Krüge giessen lässt und dieses in Wein verwandelt. Die Sockelzone unten mit Wappen und Inschrift ist ergänzt: «frow Sophia von Grüth Äbbtissin des Gotzhus Gilgethal zu Däniken».
Eventuell handelt es sich um eine Glasmalerei, die an einem der rundbogigen Doppelfenster des Kreuzgangs im Zisterzienserinnenkloster Tänikon angebracht war. Je fünf Doppelfenster (mit je zwei Scheiben) befanden sich an der West- und Ostseite des Kreuzganges sowie je sechs an der Nord- und Südseite, total dürften es 44 Glasgemälde gewesen sein, die den Kreuzgang schmückten.

1832 verkaufte die Äbtissin des Klosters Tänikon, Maria Rutz, die Scheibe dem Sammler Johann Nikolaus Vincent in Konstanz. Dieser trug in den Jahren von 1816 bis 1865 eine stattliche Anzahl Glasmalereien zusammen, die 1891 von seinen Erben versteigert wurden. Der Zürcher Industrielle Adolf Guyer-Zeller erwarb damals die Scheibe für 650 Reichsmark.

Da weder die Inschrift, das Wappen noch die Datierung original sind, ist die Einordnung in die Scheibenstiftungen in den Kreuzgang von Tänikon unsicher. Wappen und Inschrift wurden erst nach 1890 angefügt und beziehen sich auf die Äbtissin Sophia vom Grüth (gest. 1579), unter deren Ägide die ersten Scheibenstiftungen erfolgten.
Da detaillierte Klosterrechnungen dieser Jahre fehlen, liefern die Quellen keine weiteren Informationen.
Murer, Jos (Jodocus), zugeschrieben (1530–1580), Glasmaler
1564/1565
H. 33, B. 49.9 cm, Lichtmass: H. 30, B. 46.7 cm
Farbloses und farbiges Glas; rotes und violettes Überfangglass mit rückseitigem Ausschliff; Bemalung mit Schwarzlot, Silbergelb, Eisenrot und blauer Schmelzfarbe
T 6455
https://vitrosearch.ch/de/objects/2655715, aufgerufen am 17.01.2022.

Sarah Keller, Ex situ – Die Sammlung Vincent und ihre Glasgemälde aus dem Thurgau, Licht- und Farbenzauber, Glasmalerei im Thurgau (Denkmalpflege im Thurgau, Bd. 23), 2022, S. 57–67.

Michael Mente, Bares für Rares – Die letzte Äbtissin des Klosters Tänikon, Ebd. S. 69–77.

Silvia Volkart, Ruedi Elser, Die Glasgemälde im Kreuzgang des Klosters Tänikon – Bilderkatalog, Ebd. S. 79–115.
Schlagwörter: Kunsthandwerk, Brauchtum, Kloster, Heraldik, Religion, Genre, Essen, Trinken