Grafik: Hl. Bruno, Gründer des Kartäuserordens, und der hl. Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens

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Querformatiges Blatt mit zwei hochovalen Kartuschen.
Darin abgebildet die beiden Ordensstifter.
Im linken Medaillon ist der hl. Bruno mit einem Kloster im Hintergrund abgebildet, im Rechten der hl. Ignatius ebenfalls mit einem Gebäude hinter ihm, vermutlich die Sorbonne in Paris, wo er studierte.
Die beiden stehenden, sich zugewandten Männer halten je ein aufgeschlagenes Buch in den Händen, das Attribut der Ordensgründer. In Brunos Buch steht «Cum hoc Socius eris» und «Agnus Dei» unter der Darstellung des Lamms mit Friedensfahne (Symbol für Jesus Christus). (Mit diesem – Lamm Gottes – wirst du Gefährte sein).
Ignatius zeigt die Seiten mit der Schrift «Cum hoc solus eris» und Qui tol. pec. mundi, darüber das Christusmonogramm IHS (Mit diesem – der die Sünden der Welt trägt – wirst du allein sein).

Je eine Umschrift um Medaillon. Links «S. BRVNO REDIT AD S.ta. DESERTA AD ALTIORA TENDENS COGNITA VRBIS GLORIA.» (Bruno ging in die heilige Wüste, um höher zu streben, nachdem er den Ruhm der Stadt erfahren hatte). Rechts «S. IGNATIVS VADIT MAIOREM DEI GLORIAM QVAERENS A S.tIs DESERTIS AD VRBEM.» (Ignatius suchte den grösseren Ruhm Gottes und ging aus den heiligen Wüsten in die Stadt).
Über den Medaillons Rollkartusche mit Inschrift «ambo ad unum» (beide zum einen), darunter in Hebräisch der Name Gottes, Jahwe oder Jehovah.
Unten Totengerippe und Fegefeuer sowie Bildunterschrift «Puta quae tibi». (Erwäge, was dir bestimmt ist).

Am Blattrand unten rechts nicht lesbare Signatur(?) und darüber geschrieben «Ittingen».
Die beiden Heiligen schufen Glaubensgemeinschaft, allerdings in unterschiedlicher Art und Weise sowie Ausrichtung. Ignatius gründete den Jesuitenorden, weshalb er die Einsamkeit verliess und in die Stadt zog. Bruno hingegen floh aus der Stadt in die Einsamkeit und richtete Kartausen in der Wildnis ein.

Der hl. Bruno (um 1031–1101) studierte in Köln. 1057 übernahm er die Leitung der Domschule in Reims und 1075 das Kanzleramt des Erzbistums. Konflikte mit dem Erzbischof führten zu seiner Flucht und zum Eintritt ins Benediktinerkloster Molesme, wo er in strenger Askese lebte. 1084 zog er mit sechs Gefährten in die Nähe von Grenoble und erbaute dort das erste Kartäuserkloster, La Grande Chartreuse (FRA). Einzelzellen, Schweigegebot, Verständigung durch Zeichen und Zusammenkunft zu nächtlicher Stunde gehörten zu den Ordensregeln. Die Beschäftigung der Mönche bestand aus Beten sowie körperlicher und geistiger Arbeit, wie das Abschreiben von Büchern. 1089 zog Bruno nach Rom und übernahm ein Berateramt beim Papst. 1091 gründete er in Kalabrien die Kartäuserklöster Sta. Maria dell'Eremo und kurz darauf S. Stefano del Bosco unter der Schutzmacht von Maria. Der Kartäuserorden wurde 1176 von Papst Alexander III. anerkannt. Heilig gesprochen wurde Bruno 1623.

Ignatius von Loyola (1491–1556) im spanischen Baskenland geboren, wandte sich aufgrund einer schweren Verletzung im Alter von 30 Jahren dem religiösen Leben zu. Nach dem Studium an der Sorbonne in Paris formierte er zusammen mit Gefährten 1539 den Orden «Gesellschaft Jesu», der ein Jahr später vom Papst bestätigt wurde und dem Ignatius als erster Generaloberer vorstand. Die Kongregation, eng mit der päpstlichen Organisation verknüpft, übt bis heute weltweit seelsorgerische Tätigkeiten aus. Die Kleriker des Ordens tragen keinen Habit, beten nicht gemeinsam und leben nicht in Klausur. Symbol der Kongregation ist das Christusmonogramm IHS. Anders als klösterliche Glaubensgemeinschaften nehmen Jesuiten am gesellschaftlichen Leben teil und sind bekannt für ihre vorzüglichen Schulen.
17. Jh.
H. 9.8, B. 12.5
Kupferstich auf Büttenpapier, geklebt auf Papier
T 28101
Bilder und Bildchen des heiligen Bruno, Katalog der Ausstellung im Ittinger Museum, 1984.

Joseph Braun, Tracht und Attribute der Heiligen in der Deutschen Kunst, Berlin 1988, S. 154–158, 358, S. 27, Nr. 30.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kloster, Kirche