Grafik: Kleines Andachtsbild mit der Darstellung eines Cherubs, eines göttlichen Wesens

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Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Darstellung eines sitzenden Cherubs in wallendem Gewand, mit Strahlenkranz, unter der rechten Hand ein Fernglas, das auf einem Podest vor ihm liegt. Darunter Globus, Zirkel und Winkelmesser.
Unten zwei von Akanthusblättern gerahmte Kartuschen mit Darstellungen aus der Bibel (links «Gen. 3.», rechts «Dan. 7.»). Links ein Cherub, der nach der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies, mit flammendem Schwert den Baum des Lebens bewacht (Genesis 3, 24). Rechts deutet ein Cherub den Traum von Daniel (Daniel 7, 16). Diese Darstellung weicht vom biblischen Bericht ab, in dem die traumdeutende Person nicht weiter erläutert wird.
Über dem Cherub eine fliegende Taube (Heiliger Geist) und Dreieck im Strahlenkranz (Trinität).

Bildüberschrift mit Zitat aus der Vulgata (mittelalterliche, lateinische Fassung der Bibel): «Hierarchiae primae Chorus secundus: Intellexi quia Cherubim essent. Ez. 10.» (Das ist der nachfolgende Chor der ersten heiligen Ordnung. Ich erkannte, dass es Cherubim waren.). Darüber die Zahl 13.
Bildunterschrift mit Bibelzitat nach Jsaias 37, 16: «Qui sedes super Cherubin, tu es Deus solus. Is. 37.». (Der, welcher (seinen) Sitz über den Cherubin (hat), bist du allein, Gott.)

Am Bildrand unten: «C. P. S. C. K.», «Ios. et Ioa. Klauber Cath. Sc. et exc. A. V.». (Mit dem Privileg seiner Majestät, Joseph Sebastian und Johann Baptist Klauber, Stecher und Verleger in Augsburg.
Augsburg entwickelte sich im 18. Jh. zur wichtigsten Metropole des Kupferstichs. Der Kunstverlag Klauber, um 1740 von den Brüdern Joseph Sebastian (1710–1768) und Johannes Baptist (1712–1787) Klauber in Augsburg gegründet, wurde zum führenden europäischen Hersteller für «Kleine Andachtsbilder». Die Kirche schätzte und förderte das katholische Unternehmen, weshalb die Brüder Klauber zu den kurpfälzischen, fürstbischöflich Augsburgischen und fürstäbtlich Kemptischen Hofkupferstechern erhoben wurden. Zu den Eigenheiten ihrer Blätter gehörte eine üppige und detaillierte Bebilderung. Verschiedene Räume mit Szenen, gerahmt von Rocaillen und mit Bildunter- oder -überschrift versehen, sind typische Bestandteile der religiösen Darstellungen, die der Klauberverlag veröffentlichte. Zum Schutz vor unerlaubtem Nachdruck wurde den Augsburger Kupferstechern das kaiserliche Druckprivileg erteilt, was auf den Blättern mit dem Kürzel «C. P. S. C. M.» (cum privilegio Sacrae Caesareae Majestatis) kenntlich gemacht wurde und auch ein Gütesiegel darstellte.
Klauber, Joseph Sebastian (1710–1768) und Johannes Baptist (1712–1787), Hofkupferstecher des Fürstbischofs von Augsburg und Fürstabts von Kempten
18. Jh.
H. 15.3, B. 9.7 cm
Kupferstich und Radierung auf Büttenpapier
T 30300
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Pack, Dieter, Die historische Entwicklung des Apollonia-Kults unter besonderer Berücksichtigung des sog. "kleinen Andachtsbildes", Dissertation, Bayerische Julius-Maximilians-Universität zu Würzburg, Würzburg 2003, S. 222, Abb. 57.
https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/589/file/pack.pdf, aufgerufen am 1.1.2022.

Ruth Sylvester, Ein Zentrum graphischer Andachtsproduktion im 18. Jahrhundert. Der Verlag der Gebrüder Klauber in Augsburg, Das Kleine Andachtsbild, Graphik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Museum Schnütgen, Auswahlkatalog, 2004, S. 43–51.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche