Grafik: Kleines Andachtsbild mit hl. Antonius und dem Jesuskind in seinen Händen, gestaltet mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten (Chiaroscuro)

zurück

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.
Antonius von Padua (1195–1231), auch Antonius von Lissabon genannt, war ein portugiesischer Ordenspriester des Franziskanerordens. Antonius erfuhr eine nächtliche Vision mit der Muttergottes, die ihm das Jesuskind in die Arme legte, weshalb er häufig mit diesem dargestellt wurde. Die Lilie symbolisiert seine christusähnliche Reinheit.

Das Verlagshaus Ars Sacra, das Josef Müller 1896 in München eröffnete, spezialisierte sich auf kunstvoll ausgeführte Gebrauchsgegenstände für die private Andacht. Neben Produkten aus Holz, Gips und Keramik, die Müller vermutlich in seiner Heimat Tirol herstellen liess, lag der Schwerpunkt des Devotionalien-Sortiments auf ästhetisch hochwertig gestalteten Druckgrafiken. Zur Illustration der religiösen Blätter und Schriften kopierte der Verlag Werke alter Meister wie beispielsweise von Fra Angelico, Botticelli, Dürer, Rembrandt und Murillo sowie jener der Nazarener, für deren Reproduktion sich der Verlag in urheberrechtlichen Grauzonen bewegte und auch mal eine Geldstrafe bezahlen musste. Daneben engagierte Ars Sacra zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen. So nahm der Verlag renommierte Maler wie Gebhard Fugel (1863–1939) und Leo Samberger (1861–1949) sowie die bekannte und beliebte Zeichnerin und Illustratorin, die Franziskanerin Maria Innocentia Hummel (1909–1946), unter Vertrag.
Von 1931 bis 1935 gestaltete die Tirolerin Maria Elisabeth Spötl Andachtsbilder für den Verlag. Danach publizierte sie weiter die von ihr illustrierten Fleiss- und Kommunionsbilder sowie Postkarten im Eigenverlag. Spötl studierte an der Innsbrucker Kunstgewerbeschule sowie an den Akademien der bildenden Künste in München und Wien. Neben dem Malen und Zeichnen religiöser Motive, schnitze sie Krippen und Kruzifixe.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Ars Sacra, Josef Müller Kunstanstalten, Verlag für religiöse Schriften, gegründet 1896 in München

Spötl, Maria Elisabeth (1898–1953), Bildhauerin, Malerin
1931–1935
H. 11, B. 7 cm
Offsetdruck auf Papier
T 30387
Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Birgit Franz, Constanze Lindner Haigis, 100 Jahre Ideen, 1896–1996, Ars Edition, München 1996, S. 78–81.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Porträt