Grafik: Kleines Andachtsbild mit hl. Fidelis von Sigmaringen, Widmung von ehemaligen Schweizer Absolventen vom Collegium «de Propaganda Fide» in Rom für Papst Leo XIII. anlässlich des Jubeljahres 1886

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 Vorderseite  Rückseite
 Vorderseite

Vorderseite

Private Devotionalie der Volksfrömmigkeit aus der Sammlung im Pfarrhaus Mammern.

Porträt vom hl. Fidelis mit seinen Attributen, der Keule und dem Schwert. Bildunterschrift: «Der heilige Fidelis von Sigmaringen», «Martyrer, Kapuziner Ord. Min. S. Francisci, Missionär der Congregation der Propaganda in Graubünden. geboren 1577, gemartert zu Seewis den 24. April 1622.»

Rückseite mit Namensliste der Kollegiumsseminaristen:

- Peter Mamie, 1818–1900, Pfarrer in Courchapoix ab 1885.
- Jakob Bonifaz Klaus, 1823–1892, Direktor vom Kinderheim Fischingen von 1883 bis 1892.
- David Blasius Zimmermann, 1823–1906, 1880–1906 Domherr vom Domkapitel St. Gallen, ab 1886 Beichtiger im Prämonstratenserinnenkloster Berg Sion.
- Moritz Eugen (Maurice-Eugène) Gard, 1824–1890, Chorherr der Abtei St. Maurice (Abbaye de Saint-Maurice d’Agaune).
- Josef Fuchs, 1829–1887, 1855 bis 1887 Kaplan in Walchwil.
- Jean-Baptiste Helfer, 1831–1899, Kaplan in Düdingen und ab 1885 Pfarrer in Schmitten.
- Innozenz Braun, 1836–1911, 1871–1904 erster Kaplan in Wil (SG).
- Xaver Kern, 1837–1895, Pfarrer in Berneck 1863, Dekan des Kapitels Rheintal 1883, Administrationsrat 1885.
- Florian Spescha, Pfarrer in Lumbrein (GR).
- Josef Schmid, 1844–1919, Pfarrer in Altnau und Lommis, päpstlicher Hausprälat 1894, Direktor der Waisenanstalt Iddazell in Fischingen 1893–1919, bischöfl. Kommissar seit 1902.
- Ignaz Weber, 1858–1918, Kaplan in Schaffhausen von 1885 bis 1918.
- Franz Augustin Julier, 1849–1917, bischöflicher Kanzler 1885–1899.
- Paul Froidevaux, 1860–1920, 1886 Vikar in Delémont.
1622 gründete Papst Gregor XV. die «Sacra Congregatio de Propaganda Fide» (Heilige Kongregation für die Glaubensverbreitung), eine gegenreformatorische Missionsbewegung, die vorrangig der Ausbreitung des Protestantismus entgegenwirken sollte. Diese Institution errichtete 1627 in Rom eine internationale Ausbildungsstätte für Kleriker, die sich dieser Aufgabe widmen sollten (Pontificio Collegio Urbano de Propaganda Fide.)
Die Missionare im Einsatz vor Ort erhielten vom Papst umfangreiche Befugnisse und Privilegien. Im Gebiet der Drei Bünde, dem heutigen Graubünden, arbeitete die Institution eng mit den Kapuzinern zusammen, die hier vom 17. bis 20. Jh. missionierten. Einer der ersten Bündner Kapuzinermissionare war Fidelis von Sigmaringen (1578–1622), der von aufgebrachten protestantischen Bauern in Seewis erschlagen wurde. 1729 wurde er selig-, 1746 heilig gesprochen.

Bis 1920 studierten 117 Schweizer am Pristerseminar Pontificio Collegio Urbano de Propaganda Fide, darunter die aufgeführten Geistlichen auf der Rückseite des Blattes.

Im Jubeljahr gewährt der Papst den Gläubigen einen vollkommenen Ablass, sofern diese die Bedingungen erfüllen. Papst Leo XIII. (1878–1903) rief ein aussergewöhnliches Jubeljahr oder Heiliges Jahr vom 19. März – 1. November bzw. 31. Dezember 1886 aus.

Die kleinformatigen Blätter mit magischer Heils- und Gnadenwirksamkeit dienten als Einlagen in Gebets- und Gesangsbücher, wurden in Koffer, Schränke und an Wände geklebt oder gar ins Grab gelegt. Als Amulett trug der gläubige Mensch die Bildchen zum Schutz vor bösen Kräften am Körper oder legte sie kranken Körperstellen auf.
Carl Mayer's Kunstanstalt (1884–1900), Druckerei und Verlag in Nürnberg

Laehner, P, Buchhandlung und Verlag in Sigmaringen

Meyerhans, Johann, Buchdruckerei, gegründet 1871 in Wil
1886
H. 15.4, B. 10.6 cm
Stahlstich und Lithografie (u. a. Steingravur) auf Büttenpapier
T 30319
Felici Maissen, Schweizer Studenten am Kollegium De Popaganda Fide in Rom von 1634–1920 (Zeitschrift für schweizerische Kirchengeschichte, Bd. 69), 1975. http://doi.org/10.5169/seals-129756, aufgerufen am 29.08.2022.

Das kleine Andachtsbild, Katalog der Ausstellung im Hamaland-Museum in Vreden 1982, im Niederrheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer 1982, in der Galerie der Stadt Bocholt 1983, Straelen 1982.

Franz Xaver Bischof, Jakob Bonifaz Klaus, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.10.2008. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046024/2008-10-16, aufgerufen am 07.07.2022.

Heilige Kongregation für die Glaubensverbreitung («Sacra Congregatio de Propaganda Fide»), Schlagwort-Nr. 8015, Online seit 24.03.2010, aktualisiert am 24.06.2016. https://www.pacelli-edition.de/schlagwort-pdf.html?idno=8015, aufgerufen am 28.04.2023.

https://www.bistum-stgallen.ch/fileadmin/kundendaten/Bistum/Domkapitel/Das_Domkapitel_seit_1830_2018.pdf, aufgerufen am 07.07.2022.

Christian Schweizer, Fidelis von Sigmaringen, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version von 23.09.2021. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010197/2021-09-23/, aufgerufen am 28.04.2023.
Schlagwörter: Druckgrafik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Religion katholisch, Brauchtum, Kirche, Anlässe, Reisen, Geschichte