Karabiner der Thurgauer Landjäger (frühe Kantonspolizei), Vorderlader mit Perkussionsschloss, kantonales Modell von 1860, Typ A

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Brünierter glatter Rundlauf, ab Kammeransatz achtkantig, oben mit flachem Grat. Auf Lauf kleines Standvisier aus Stahl (V-förmige Kimme) und Linsenkorn aus Messing. Vorliegendes Kettenschloss, flache Schlossplatte, gerundeter Hahn. Glatte Eisengarnitur bestehend aus Abzugsbügel, Kolbenkappe, drei Ladestockpfeifen, kappenartigem Vorderschaftabschluss und kleinem Schlossblech. Zwei Schieber als Laufbefestigung. Zwei Bügel für den Tragriemen. Originaler Holzladestock mit Kupferkappe. Eisenaufsatz des Ladestocks fehlt. Voller Nussbaumholzschaft. Kolben mit Backenausschnitt links, Kolbennase und leicht geschwungenem Abschluss.

Schläge: Auf Schlossplatte der Büchsenmacher «ZOLLER». Auf Lauf «TH. G. J. 5» (Thurgau, der Besitzer und die Waffennummer).

Kaliber: 16.5 mm
Der aus Ungarn stammende Anton Zoller baute in Frauenfeld eine Büchsenmacherei auf und fertigte Waffen für die Thurgauer Truppen und die kantonale Polizei an. Im Rechenschaftsbericht der Kantonsregierung Thurgau 1860 (S. 158) ist die Anschaffung von 31 neuen Polizeikarabinern à CHF 45.– von Büchsenmacher Zoller erwähnt.

Mittels Verfügung des Kleinen Rats des Kantons Thurgau vom 26. Februar 1807 wird der Grundstein für die Institutionalisierung der Kantonspolizei Thurgau gelegt. Der Erlass hielt u.a. fest, dass die Polizisten mit Säbeln und Stutzern bzw. Karabinern ausgerüstet sein mussten, die sie aus eigener Tasche zu berappen hatten. Waren ursprünglich 15 Wächter im Einsatz, vergrösserte die Regierung das Korps 1818 auf 32 Landjäger. Uniform und Waffen stellte den Amtsdienern von nun an das Zeughaus zur Verfügung. Ab den 1850er-Jahren trug jeder Polizist neben dem Säbel und dem Weidmesser einen Karabiner mit Lederriemen mit sich. 1849 kamen Grenzwächter zur Mannschaft, die den Dienst bis 1881 versahen, dem Zeitpunkt als der Grenzschutz zur Bundesangelegenheit wurde. Die Anzahl der Ordenshüter wurde aus finanziellen Gründen im 19. Jh. kaum aufgestockt, trotz des Wunschs, die über den ganzen Kanton verteilten Posten personell besser auszustatten. Mit dem Karabiner versahen die Thurgauer Polizisten bis 1876 ihren Dienst, danach wurden sie mit einem Revolver ausgerüstet.
Zoller, Anton (1817–1881), geboren und gestorben in Budapest, Waffenschmied in Frauenfeld 1845–1869
um 1860
L. 114 cm, Lauf L. 76 cm (mit Schwanzschraube)
Stahl, brüniert; Eisen; Kupfer; Nussbaumholz
T 40274
Rechenschaftsbericht der Regierung von 1860, Staatsarchiv Thurgau, (StATG) Mk 1/24, S. 158.

Ernst Herdi, Thurgauer Polizei einst und heute, Hundertfünfzig Jahre Thurgauische Kantonspolizei fünzig Jahre Verband der Kantonspolizei Thurgau 1807–1957, Festschrift, Frauenfeld 1957.

Ernst E. Abegg, Geschichte der Kantonspolizei Thurgau, 550 Jahre thurgauische Ordnungskräfte, Frauenfeld 2014.

Hugo Schneider, Schweizer Waffenschmiede vom 15. bis 20. Jahrhundert, Zürich 1976, S. 295.

Eugène Heer, Der neue Stöckel, Bd. 2, Internationales Lexikon der Büchsenmacher, Feuerwaffenfabrikanten und Armbrustmacher von 1400–1900, Schwäbisch Hall 1979, S. 1437.

André Salathé, Polizei und Bevölkerung, Der Aufbau eines staatlichen Polizeikorps zu Beginn des 19. Jahrhunderts (am Beispiel des Kantons Thurgau), in: Schweiz im Wandel, Studien zur neueren Gesellschaftsgeschichte, Festschrift für Rudolf Braun zum 60. Geburtstag, Basel/Frankfurt am Main 1990, S. 345–362.

Jürg A. Meier, Marc Höchner, Als die Polizei noch Säbel trug, Schwerter, Säbel, Seitenwehren, Bernische Griffwaffen 1500–1850 (Schriften des Bernischen Historischen Museums, Bd. 15), 2021, S. 158–159.
Schlagwörter: Staatliche Institutionen, Justiz, Waffen, Gewerbe