Musterbuch der Weberei Sirnach, für Baumwollstoffe mit den Mustern Rayé, Faconné und Karo

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Hochformatiger Leporello (Faltbuch) mit Kartondeckeln, die mit rotem Lederimitat auf den Aussenseiten überzogen sind. Aussenseite des Vorderdeckels oben rechts mit einem goldgeprägten vertieften Logo «Z. S.» (Zweifel-Schmied, Besitzer). Aussenseite des Vorder- und Hinterdeckels je mit einer goldgeprägten vertieften Kartusche entlang des Rands versehen.
Auf dem Vorderdeckel klebt unten eine weisse, handbeschriebene Etikette, darauf «GH» (hausinterne Identifikation), «Flan.- Oxford» (Mustersorte), «Dess. 35000–35980» (Musternummer) und «Verkauf.» (Abteilung).

Buchseiten aus weissem dickem Papier, mit vorgedruckten rechteckigen Rahmen für zehn Muster à zwei Reihen pro Seite, die entlang des Seitenrands mit einer Linienkartusche eingefasst sind. Die querformatigen rechteckigen Stoffmuster sind im schrägen Fadenlauf in die vorgedruckten schwarz markierten Felder geklebt.
Rückseiten mit gleicher Anordnung der Stoffmuster jedoch ohne vorgedruckte Rahmung. Oberhalb eines Musters je eine gedruckte Zahl.

Die Stoffmuster aus Baumwolle in Leinwand- und Köperbindung aus den Geweben Flanell (flauschig aufgeraute Oberfläche) und Oxford (texturierte Oberfläche aus feinen und dickeren Fäden, wirkt gepunktet) weisen folgende Dessins auf: Rayé (gestreift), Faconné (kleine eingewebte Musterungen) und Karo (kariert), hauptsächlich in den Farben Blau, Grau, Grün, Beige oder Braun kombiniert mit Weiss (oftmals ist der Kettfaden weiss).
Auf der ersten Musterseite oben links handschriftlich «GH, Hauskollekt.». In anderen Abteilungen der Weberei waren identische Musterbücher in Gebrauch (Inv. Nrn. T 38580.8 und T 38580.15).

Die 1855–1856 eröffnete Eisenbahnlinie Winterthur – St. Gallen bildete die infrastrukturelle Grundlage für die Ansiedelung von Industrie in Sirnach. 1857 erwarben die Glarner Johann Heinrich Zweifel-Schmid, Peter Schmid-Vogel und Jost Schiesser-Zweifel in Sirnach die ehemalige Klostermühle am Reutebach samt Wasserrechten und eröffneten dort eine Weberei. Im Frühjahr 1859 fing die Produktion von gebleichten Stoffen an, die sogenannte Weissweberei. Mit Wasserkraft wurden anfänglich 116 englische Webstühle betrieben, deren Anzahl sich nach einem Jahr bereits auf 200 erhöhte. Ab 1869 verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die Weberei mit gefärbten Fäden (Buntweberei).
Das Unternehmen produzierte einfarbige und gemusterte Baumwollstoffe. Angefertigt wurden u.a. Kleidungsstücke und Heimtextilien aus Oxford- und Flanellstoffen, Heimtextilien aus dem Doppelgewebe Molton sowie Blusen und Hemden aus dem Batistgewebe Zefir.

Mitte der 1970er-Jahre ging die Aktienmehrheit in den Besitz der Thurotex AG in Lichtensteig über. Schliesslich wurde der Betrieb 1981 geschlossen und 1982 liquidiert. Die Fabrikliegenschaft wechselte daraufhin den Besitzer und wird seither als Gewerbezentrum genutzt.
Weberei Sirnach (1857–1981)
um 1937/1938
H. 34, B. 25, T. 7 cm
Karton, überzogen mit Lederimitat; goldgeprägt; Papier, bedruckt; Stoffmuster aus Baumwolle in Leinwand- und Köperbindung.
T 38580.12
Leo Weisz, Hundert Jahre Weberei Sirnach, Geschichte eines Thurgauischen Familienunternehmens 1857–1957, Sirnach 1957.

Erich Trösch, Sirnach, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.12.2012. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001964/2012-12-19/, aufgerufen am 22.10.2024.

Peter Rüesch, Gemeinde Sirnach, Chronik der Gemeinde Sirnach, Band 2, https://www.sirnach.ch/public/upload/assets/10645/Chronik_Sirnach_digitalisiert_Band_2_klein.pdf?fp=2, aufgerufen am 26.11.2024.
Schlagwörter: Bücher, Industrie, Textilien, Werbung, Kommunikation