Musterbuch der Weberei Sirnach, für Baumwoll- und Viskosestoffe mit den Mustern Uni, Rayé, Faconné, Piqué, Vichy und Küchenkaro

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Hochformatiger Leporello (Faltbuch) mit Kartondeckeln, die mit blauem Lederimitat auf den Aussenseiten überzogen sind. Aussenseite des Vorder- und Hinterdeckels je mit einer goldgeprägten vertieften Kartusche entlang des Rands versehen.
Auf dem Vorderdeckel klebt unten rechts eine weisse, bedruckte Etikette mit dem Logo der Weberei, der Buchstabe S vor einem Weberschiffchen mit Jubiläumsschriftzug «100 Jahre 1857–1957». Darauf geschrieben «Art. A» (hausinterne Identifikation), «Dessin 37296» (Musternummer), «Ferggerei» (Abteilung), «WEBEREI SIRNACH» (Unternehmen).

Buchseiten aus weissem dickem Papier, mit vorgedruckten rechteckigen Rahmen für zehn Muster à zwei Reihen pro Seite, die entlang des Seitenrands mit einer Linienkartusche eingefasst sind.
Die querformatigen rechteckigen Stoffmuster sind im schrägen Fadenlauf in die vorgedruckten schwarz markierten Felder geklebt. Rückseiten mit gleicher Anordnung der Stoffmuster jedoch ohne vorgedruckte Rahmung. Oberhalb eines Musters je eine gedruckte Zahl.

Die Stoffmuster aus Baumwolle und Viskose in Leinwand- und Köperbindung (Mehrgratköper) weisen nebst Uni-Stoffen folgende Dessins in bunten Farben auf: Rayé (gestreift), Piqué (Doppelgewebe mit strukturierter Oberfläche, mehr Kett- als Schussfäden), Faconné (kleine eingewebte Musterungen), Karo (kariert), Küchenkaro (gekreuzte opake Streifen, die ein Quadratmuster bilden), Vichy (kleinkariertes Zackenmuster, gebrochene Rauten mit verlängerten Ecken, oft mit weissem Grundgewebe). Die Muster sind häufig kombiniert, z.B. mit Karo und mit Motiven wie Rosen und Kreisen.
Innerhalb des Musterbuchs mehrere handschriftliche Datierungen «1966», «Winter 1966/67», «1967» und «1970». Hiermit handelt es sich um das jüngste datierte Musterbuch der Weberei Sirnach in der Sammlung des Historischen Museums Thurgau.

Die 1855–1856 eröffnete Eisenbahnlinie Winterthur – St. Gallen bildete die infrastrukturelle Grundlage für die Ansiedelung von Industrie in Sirnach. 1857 erwarben die Glarner Johann Heinrich Zweifel-Schmid, Peter Schmid-Vogel und Jost Schiesser-Zweifel in Sirnach die ehemalige Klostermühle am Reutebach samt Wasserrechten und eröffneten dort eine Weberei. Im Frühjahr 1859 fing die Produktion von gebleichten Stoffen an, sogenannte Weissweberei. Mit Wasserkraft wurden anfänglich 116 englische Webstühle betrieben, deren Anzahl sich nach einem Jahr bereits auf 200 erhöhte. Ab 1869 verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die Weberei mit gefärbten bunten Fäden (Buntweberei). Das Unternehmen produzierte einfarbige und gemusterte Baumwollstoffe. Angefertigt wurden u.a. Kleidungsstücke und Heimtextilien aus Oxford- und Flanellstoffen, Heimtextilien aus dem Doppelgewebe Molton sowie Blusen und Hemden aus dem Batistgewebe Zefir.

Mitte der 1970er-Jahre ging die Aktienmehrheit in den Besitz der Thurotex AG in Lichtensteig über. Schliesslich wurde der Betrieb 1981 geschlossen und 1982 liquidiert. Die Fabrikliegenschaft wechselte daraufhin den Besitzer und wird seither als Gewerbezentrum genutzt.
Weberei Sirnach (1857–1981)
1966/1970
H. 34, B. 25, T. 6.5 cm
Karton, beschichtet, goldgeprägt; Papier, bedruckt; Stoffmuster, Baumwolle/ Viskosé (?),Leinwandbindung und Köperbindung
T 38580.44
Leo Weisz, Hundert Jahre Weberei Sirnach, Geschichte eines Thurgauischen Familienunternehmens 1857–1957, Sirnach 1957.

Erich Trösch, Sirnach, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.12.2012. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001964/2012-12-19/, aufgerufen am 22.10.2024.

Peter Rüesch, Gemeinde Sirnach, Chronik der Gemeinde Sirnach, Band 2, https://www.sirnach.ch/public/upload/assets/10645/Chronik_Sirnach_digitalisiert_Band_2_klein.pdf?fp=2, aufgerufen am 26.11.2024.
Schlagwörter: Bücher, Industrie, Textilien, Werbung, Kommunikation