Musterbuch der Weberei Sirnach, für Baumwollstoffe mit den Mustern Rayé, Karo und Vichy

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Hochformatiger Leporello (Faltbuch) mit Kartondeckeln, die mit schwarzem Lederimitat auf den Aussenseiten überzogen sind. Aussenseite des Vorder- und Hinterdeckels je mit einer goldgeprägten vertieften Kartusche entlang des Rands versehen. Auf dem Vorderdeckel klebt unten eine weisse, handbeschriebene Etikette, darauf «F» (hausinterne Identifikation), «Flanelle» (Mustersorte), «Ferggerei» (Abteilung), und «Dess. {Broché 2001» (Musternummer).

Buchseiten aus weissem dickem Papier, mit vorgedruckten rechteckigen Rahmen für zehn Muster à zwei Reihen pro Seite, die entlang des Seitenrands mit einer Linienkartusche eingefasst sind.
Die querformatigen rechteckigen Stoffmuster sind im schrägen Fadenlauf in die vorgedruckten dunkelblau markierten Felder geklebt. Rückseiten ohne vorgedruckte Rahmung beklebt. Oberhalb eines Musters je eine gedruckte Zahl.

Die Stoffmuster aus Baumwolle in Leinwandbindung aus Flanellgewebe (flauschig aufgeraute Oberfläche) weisen nebst Uni-Stoffen folgende Dessins auf: Rayé (gestreift), Karo (kariert) und Vichy (kleinkariertes Zackenmuster, gebrochene Rauten mit verlängerten Ecken, oft mit weissem Grundgewebe), in kräftigen und hellen Farben, vor allem in Blau, Grün, Beige, Braun und Grau.
Verwendung in der Ferggerei, wo die Qualität der gewobenen Stoffe kontrolliert wurde. In anderen Abteilungen der Weberei war ein identisches Musterbuch in Gebrauch (Inv. Nr. T 38580.82).

Die 1855–1856 eröffnete Eisenbahnlinie Winterthur – St. Gallen bildete die infrastrukturelle Grundlage für die Ansiedelung von Industrie in Sirnach. 1857 erwarben die Glarner Johann Heinrich Zweifel-Schmid, Peter Schmid-Vogel und Jost Schiesser-Zweifel in Sirnach die ehemalige Klostermühle am Reutebach samt Wasserrechten und eröffneten dort eine Weberei. Im Frühjahr 1859 fing die Produktion von gebleichten Stoffen an, die sogenannte Weissweberei. Mit Wasserkraft wurden anfänglich 116 englische Webstühle betrieben, deren Anzahl sich nach einem Jahr bereits auf 200 erhöhte. Ab 1869 verlagerte sich der Fokus zunehmend auf die Weberei mit gefärbten Fäden (Buntweberei).
Das Unternehmen produzierte einfarbige und gemusterte Baumwollstoffe. Angefertigt wurden u.a. Kleidungsstücke und Heimtextilien aus Oxford- und Flanellstoffen, Heimtextilien aus dem Doppelgewebe Molton sowie Blusen und Hemden aus dem Batistgewebe Zefir.

Mitte der 1970er-Jahre ging die Aktienmehrheit in den Besitz der Thurotex AG in Lichtensteig über. Schliesslich wurde der Betrieb 1981 geschlossen und 1982 liquidiert. Die Fabrikliegenschaft wechselte daraufhin den Besitzer und wird seither als Gewerbezentrum genutzt.
Weberei Sirnach (1857–1981)
um 1931
H. 34, B. 25, T. 5.5 cm
Karton, überzogen mit Lederimitat; goldgeprägt; Papier, bedruckt; Stoffmuster aus Baumwolle in Köperbindung.
T 38580.84
Leo Weisz, Hundert Jahre Weberei Sirnach, Geschichte eines Thurgauischen Familienunternehmens 1857–1957, Sirnach 1957.

Erich Trösch, Sirnach, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.12.2012. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/001964/2012-12-19/, aufgerufen am 22.10.2024.

Peter Rüesch, Gemeinde Sirnach, Chronik der Gemeinde Sirnach, Band 2, https://www.sirnach.ch/public/upload/assets/10645/Chronik_Sirnach_digitalisiert_Band_2_klein.pdf?fp=2, aufgerufen am 26.11.2024.
Schlagwörter: Bücher, Industrie, Textilien, Werbung, Kommunikation