Medaille: Erinnerung an das Standweihschiessen in Bottighofen 1956, geprägt in Le Locle

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Vs.: In Perl- und Linienkreis die Angaben «1956 / STANDWEIH / SCHIESSEN / BOTTIGHOFEN / (Zweig)».
Rs.: In Perl- und Linienkreis ein stehender französischer Soldat mit Gewehr links, Gilberte de Courgenay mit einem Wirtskrug rechts vor einem Schweizer Grenzstein, darunter die Angabe «GILBERTE DE COURGENAY» und Herstellerangabe «HUGUENIN».
Am Standweihschiessen wird in der Regel ein neuer oder renovierter Schiessstand oder ein Schützenhaus eingeweiht. Die Ausgabe dieser Medaille hatte einen anderen Grund. 1956 feierte der Schützenverein Bottighofen sein 50-jähriges Bestehen und beschloss anlässlich dieses Jubiläums das Schützenhaus im Löchli zu erweitern. Das Eröffnungsschiessen fand 1959 statt.

Gilberte de Courgenay, eigentlich Gilberte-Elisa Montavon (1896–1957), arbeitete zu Beginn des Ersten Weltkriegs als Kellnerin im Lokal ihrer Eltern, dem Hôtel de la Gare beim Bahnhof von Courgenay bei Porrentruy (JU). Für die Sicherung der Grenzen – die kriegsführenden Parteien Frankreich und das damals deutsche Elsass waren bloss zehn Kilometer entfernt – wurden viele Deutschschweizer Truppen in die Ajoie verlegt. In ihrer dienstfreien Zeit besuchten die Soldaten und Offiziere das Hôtel de la Gare, wo sie von der «kleinen Gilberte» bewirtet wurden, die dank eines Aufenthalts in der Deutschschweiz in Zürich – das Pendant zum früheren Welschlandjahr von Deutschschweizer Mädchen – Dialekt verstand. Verbundenheit schuf auch Gilbertes phänomenales Namensgedächtnis, dank dem sie die Männer schon beim zweiten Lokalbesuch mit Namen begrüssen konnte. Viel zum Ruhm der Kellnerin hat das ihr gewidmete Lied «La petite Gilberte de Courgenay» (1915/16) von Robert Lustenberger und Oskar Portmann beigetragen. Eine Frau aus der Romandie, die der Liebling von Deutschschweizer Soldaten war – dieses Szenario war der Eidgenossenschaft als Kitt zwischen den Landesteilen überaus willkommen, hielt die Romandie doch mehrheitlich zu Frankreich, die Deutschschweiz zum Deutschen Reich. In den bewegten Jahren des Zweiten Weltkriegs wurde sie im Zuge der geistigen Landesverteidigung zur Symbolfigur des nationalen Zusammenhalts gegen Nazi-Deutschland aufgebaut: «La petite Gilberte» wurde zur Hauptfigur eines Romans, eines Theaterstücks, zweier Propagandafilme und beliebtes Motiv auf Erinnerungsmedaillen wie bei vorliegendem Stück.
Huguenin Frères in Le Locle (1868–2002, Fusion mit Faude), Medailleur
1956
D. 40.2 mm
Bronze, Prägung
T 4075
Jürg Richter, Die Schützentaler und Schützenmedaillen der Schweiz, Regenstauf 2018, Nr. 1293B.

Sportschützen Bottighofen, https://www.sportschuetzen-bottighofen.ch/verein/geschichte, aufgerufen am 21.04.2026.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Vereinswesen, Waffen, Geschichte, Anlässe, Andenken, Erinnerung