Münze: 1-Pfennig-Stück der Stadt St. Gallen, aufgrund der gewölbten Form auch Schüsselpfennig genannt, geprägt in St. Gallen, aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

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Einseitig geprägte Münze.

Vs.: In Linien- und Strichelkreis ein aufrecht stehender und heraldisch nach rechts schreitender Bär mit Halsband, darunter Münzstättenzeichen «G» für Gallus (St. Gallen).
Die St. Galler Schüsselpfennige entstanden in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst wurde das zu prägende Billon (eine Legierung aus Kupfer und Silber) zu einem dünnen Metallstreifen gewalzt. Das Münzmotiv wurde anschliessend mit einer «Welle» bzw. einer Walze auf das Blech geprägt. Die Münze konnte danach ausgeschnitten und mit Holzwerkzeugen und -hammer auf einer konvexen Unterlage in die charakteristische Schüsselform geschlagen werden. Der Grund für den letzten zusätzlichen Arbeitsschritt ist nicht bekannt, könnte jedoch einen praktischen Nutzen gehabt haben, etwa um die St. Galler Schüsselpfennige von der Vielfalt des zirkulierenden Kleingelds unterscheiden zu können. Möglicherweise wurde die besondere Ausformung auch aus Gründen der Stabilität und Langlebigkeit vorgenommen, denn die leichte Wölbung macht die Münze widerstandsfähiger gegen Abnutzung und Verformung.

Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigen einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
1760er-Jahre
D. 11.9 mm
Billon, Prägung
T 36221
Edwin Tobler, Benedikt Zäch, Samuel Nussbaum, Die Münzprägung der Stadt St. Gallen 1407–1797 (Schweizer Studien zur Numismatik, Bd. 2), St. Gallen 2008, Nr. 187.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Religion, Tier

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