Münze: 10-Pesos-Stück der Republik Kolumbien, geprägt in Bogotá, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «REPUBLICA – DE COLOMBIA». In Strichel- und Linienkreis Kopfporträt von Simón Bolívar nach rechts, darunter «1919».
Rs.: Umschrift: «. DIEZ PESOS .». In Strichel- und Linienkreis von einem Kondor bekrönter kolumbianischer Wappenschild. Kondor mit ausgebreiteten Flügeln (Symbol der Freiheit), nach rechts blickend, mit einem Lorbeerkranz im Schnabel (Symbol des Siegs und Ruhms), hinter ihm über seinen Läufen ein Spruchband mit Aufschrift «LIBERTAD Y ORDEN» (Freiheit und Ordnung). In drei horizontale Felder geteilter Wappenschild, oben Granatapfel (Erinnerung an Nueva Granada, dem alten Namen für Kolumbien) zwischen Füllhörnern, in der Mitte Lanze mit phrygischer Mütze (Symbol für die republikanische Gesinnung), unten zwei Segelschiffe, eines auf dem Pazifik, das andere auf dem Atlantik, dazwischen die Landenge von Panama, Schild auf gekreuzten Lanzenfahnen, darunter «G . 15.976 . LEY 0.916 2/3».
Simón Bolívar (1783–1830) war ein südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer gegen die spanische Kolonialherrschaft in Venezuela, Kolumbien, Panama und Ecuador. Auch in die Autonomiebewegungen in Peru und in Bolivien – letzteres Land ist nach ihm benannt – griff er entscheidend ein. 1821 wurde er erster Präsident des neuen Staats Grosskolumbien. Sein autokratischer Regierungsstil, die misslungene Abschaffung der Sklaverei und die fehlende Umsetzbarkeit seiner politischen Ideen führten 1830 zum Rücktritt von Bolívar. Nach wie vor gilt «El Libertador» als Nationalheld mehrerer südamerikanischer und karibischer Länder.

Beide Münzseiten betonen die Souveränität. Die dargestellten Freiheitssymbole verweisen auf den erfolgreichen Unabhängigkeitskampf gegen die Spanische Krone (1810–1819). Als Vorbild für die Gestaltung der Münzbilder dürften zeitgenössische US-amerikanische Goldmünzen mit der Büste der Freiheit sowie dem Weisskopfseeadler mit Wappenschild gedient haben. Die Rückseite präsentiert einen dreigeteilten Wappenschild, der von einem Kondor mit Schriftband überhöht ist. Der bewusste Rückgriff auf den einheimischen Vogel Kondor als Wappentier auf Münzen, ikonografisch angelehnt an den nordamerikanischen Weisskopfseeadler oder den europäischen Steinadler, zeigt das Selbstbewusstsein der jungen Republik, da diese ein bis zu diesem Zeitpunkt unbekanntes heraldisches Tier, mit eindeutigem Bezug zu Lateinamerika für ihre neuen Münzen wählte. Wie der Adler in Europa und Nordamerika symbolisiert der Kondor, eine in den Andenstaaten verbreitete Geierart, Macht und Stärke. Auf dem Schriftband in seinem Schnabel steht der Leitspruch «LIBERTAD Y ORDEN» (Freiheit und Ordnung). Der Wappenschild nimmt mit seinen Wappenfiguren symbolisch Bezug auf Wohlstand (Füllhörner), Handel (Schiffe) und Freiheit (Lanzenspitze mit phrygischer Mütze, dem Symbol der freigelassenen Sklaven im antiken Rom).

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1919
D. 25.9 mm
Gold, Prägung
T 6813
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 11.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1901–Present, Iola 2002, Nr. 202.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Heraldik, Porträt, Symbol, Tier