Münze: 1/2-Dicken-Stück von Stadt und Amt Zug, geprägt in Zug, aus der Sammlung von Maria Walenta (1876–1961)

zurück

Vs.: Zwischen äusserem Kreis in Form einer gekordelten Schnur und innerem Gerstenkornkreis Umschrift: «MONETA CANTO – [Zuger Wappen] – TVGIENSAN . OSWA .» (MONETA CANTONIS TVGIENSIS SANCTUS OSWALDUS) (Münze des Kantons Zug, hl. Oswald). In Linienkreis Hüftstück des hl. Oswald im Harnisch nach rechts, ein geschultertes Zepter mit der Rechten (Symbol für die weltliche Herrschaft) und den Pokal mit dem Raben in der Linken haltend, darunter Wappen. Die Krone und der Nimbus des Heiligen ragen in den Kreisring mit der Umschrift hinein.
Rs.: Zwischen äusserem und innerem Kreis, beide je in Form einer gekordelten Schnur, Umschrift: «(Rosette) CVM . HIS . QVI . ODERVN – PACEM . ERAM . PACI . F» (CUM HIS QUI ODERUNT PACEM ERAM PACIFICUS, Psalm 120, Vers 6) (Mit denen, die den Frieden hassen, war ich friedlich). Nimbierter Doppeladler (Adler mit zwei Köpfen, Wappen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Sinnbild der königlichen, von den Kurfürsten verliehenen und kirchlichen, vom Papst verliehenen Würde), zwischen den beiden Adlerköpfen Kreuz, unten im Kreisring Wertangabe in Kreis «12» für 12 Kreuzer.
Oswald Vogt, der erste Zuger Münzmeister, pachtete im 16. Jh. die städtische Münzstätte. Die ersten seiner Geldstücke kamen 1564 in Umlauf, das vorliegende Stück gehörte somit zu den ersten Zuger Ausgaben. Vogt war ein privater Unternehmer und betrieb seine Geldproduktion profitorientiert und weniger, um den Stand Zug mit Münzen zu versorgen. Die Stadt mischte sich nicht in dieses Geschäft ein, was zur Folge hatte, dass der Feingehalt des Silbers von Zuger Münzen oft nicht der eidgenössischen Münzordnung entsprach.

Der hl. Oswald (um 604–642), der Schutzpatron der Stadt Zug, war von 634 bis zu seinem Tod König des Königreichs Northumbria (ENG). Die Legende berichtet, dass bei Oswalds Krönung das Salböl fehlte. Ein Rabe rettete die Zeremonie, indem er das kostbare Öl in einem Pokal überbrachte. Ein zweiter Rabe soll einen Ring überreicht haben. Eine andere Überlieferung besagt, dass ein sprechender Rabe vom heiratswilligen Oswald zu einer Prinzessin geschickt wurde, da ihr Vater jeden Bewerber umbringen liess. Da Oswald im Kampf gegen das letzte heidnische Reich der Angelsachsen starb, gilt er als Märtyrer und wird als Heiliger verehrt. Unmittelbar nach seinem Tod wurde über Wunder an seinem Todesstätte berichtet.

Maria Walenta (1876–1961) wurde im tschechischen Graslitz geboren und kam um 1903 zu ihrem Bruder Rudolf (1875–1933) nach Frauenfeld, der hier bereits seit 1893 bei der Instrumentenbauerin Marie Wolf arbeitete. Maria Walenta führte wohl den Haushalt Wolf, in welchem auch ihr Bruder lebte. Marie Wolf vermachte 1934 per Testament ihr Haus an der Thundorfstrasse Maria Walenta zur Nutzniessung bis zu ihrem Tod. Nach dem Willen der Testatorin sollte dieses Objekt nach dem Tod der Begünstigten an die Bürgergemeinde Frauenfeld übergehen, wobei der Erlös aus dem späteren Verkauf der Liegenschaft für einen Musikpavillon sowie für einen Springbrunnen im Stadtpark Burstel bestimmt war. Das Legat wurde als «Fräulein Marie Wolf und Herrn Rudolf Walenta-Fonds» bezeichnet.
Maria Walenta vermachte ihrerseits dem Historischen Museum Thurgau eine reichhaltige Münz- und Papiergeldsammlung (vor allem Notgeld um 1920, Banknoten, Gutscheine und Marken aus Papier) sowie einige Antiquitäten. Wer die Münzen erworben hat – Maria Walenta, ihr Bruder oder die Familie Wolf –, bleibt unklar.
Vogt, Oswald, Zuger Münzmeister und Geldhändler 1564–1584
1565
D. 30.2 mm
Silber, Prägung
T 36522
Ruedi Kunzmann, Der neue HMZ-Katalog, Bd. 2: Die Münzen der Schweiz und Liechtensteins, 15./16. Jahrhundert bis Gegenwart, Regenstauf 2011, Nr. 2-1078.

Peter Hoppe, «Moneta Nova Tugiensis – das ist zu Teutsch: Neue Zuger-Müntz», Geld und Geldumlauf im alten Zug, Das Staatsarchiv erzählt (16) in: Personalziitig 23–02, 24–25.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Religion, Tier