Münze: 20-Francs-Stück der Republik Frankreich, geprägt in Paris, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «REPUBLIQUE – FRANÇAISE .«. In Randeinfassung aus Eierstab mit dazwischenliegenden Blättern eine Frauenbüste mit Eichenkranz (Symbol der Stärke, Treue und Einheit) und phrygischer Mütze (Symbol der Freiheit und Unabhängigkeit) nach rechts, rechts davon zweizeiliger Künstlername: «J . C . / CHAPLAIN».
Rs.: Umschrift: «LIBERTE . EGALITE . FRATERNITE .» (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). In Randeinfassung aus Eierstab mit dazwischenliegenden Blättern der Gallische Hahn nach links, auf Wiese mit Blume und Grassbüschel, der Hahn zwischen «20 – Fcs», im Abschnitt: «(Fackel) 1902 (Füllhorn)». (Fackel = Zeichen von Henri-Auguste-Jules Patey, Münzgraveur der Pariser Münzstätte (1896–1930), Füllhorn = seit 1880 nicht mehr individuelles Zeichen der einzelnen Direktoren der Münzstätte, sondern allgemein der Régie de Monnaies/Leitung der Münzstätte).
Rand mit Schrift «*+ +* DIEU *+ | +* PROTEGE *+ |+* LA FRANCE |» (Gott schütze Frankreich).
Die Losung «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» war ein Leitprinzip der Aufklärung und entwickelte sich zur Kampfparole während der Französischen Revolution. Die französische Verfassung von 1848 verankerte sie als Gebot.

Die Marianne als allegorische Figur verkörperte die Ideale der Französischen Revolution und stand gleichzeitig für das republikanische Frankreich. Zum ersten Mal wurde der Name Marianne – ein damals sehr geläufiger weiblicher Vorname – im Oktober 1792 erwähnt, im Zusammenhang mit der Verkörperung des republikanischen Frankreichs. Die Allegorie der Marianne war das Pendant zur bis dahin bekannten Figur der Gallia, einem Sinnbild des französischen Königreichs. Der Bildtypus einer jungen Frau – als Vertreterin des Volks – mit zum Teil entblösster Brust als Sinnbild für die französische Nation und mit roter phrygischer Mütze, dem Symbol der freigelassenen Sklaven im antiken Rom, entwickelte sich während der Revolutionswirren. Seitdem ist die Allegorie ein Motiv auf Münzen, Briefmarken und Dokumenten. Bis heute steht in Frankreich in jedem Rathaus an prominenter Stelle eine Büste der Marianne.
Der Gallische Hahn gilt als Nationalsymbol von Frankreich. Der Ursprung ist vermutlich auf die Ähnlichkeit des lateinischen Worts «gallus» (Hahn) und die Bezeichnung «Galli» zurückzuführen. «Galli» oder Gallier waren für die Römer die keltischen Bewohnerinnen und Bewohner des Gebiets «Gallia». Gallien umfasste unter anderem auch das heutige Staatsgebiet Frankreichs. Während der Französischen Revolution erfreute sich der Hahn wegen seines Muts, seiner Wachsamkeit und Widerstandsfähigkeit wachsender Beliebtheit und wurde auf dem Siegel des Direktoriums abgebildet.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
Chaplain, Jules-Clément (1839–1909), Bildhauer, Medailleur
1902
D. 21.1 mm
Gold, Prägung
T 6732
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 36.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1901–Present, Iola 2002, Nr. 847.
Schlagwörter: Numismatik, Staatliche Institutionen, Allegorie, Symbol, Tier, Botanik, Justiz