Münze: Fälschung eines Denars des Römischen Kaiserreichs, vermeintlich geprägt in Rom zur Zeit von Kaiser Didius Julianus (193 n. Chr.)

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Vs.: Umschrift: «IMP CAES M DID – IVLIAN AVG» (Imperator Caesar Marcus Didius Julianus Augustus). In Perlkreis Porträtkopf nach rechts, mit Lorbeerkranz (Symbol des Sieges und Ruhmes).
Rs.: Umschrift: «P M TR – P COS» (Pontifex Maximus, Tribunicia Potestate, Consul). In Perlkreis stehende Fortuna (Göttin des Glücks und des Schicksals) nach links, in der Linken eine Cornucopia (Füllhorn, Symbol des Überflusses und des Wohlstands) und in der Rechten ein Steuerruder (typisches Attribut der Fortuna als Lenkerin des Schicksals).
Münzen wurden in der Antike gefälscht, um ihren Nominalwert zu erhöhen. Dieser stand in einem vom Herrscher vorgegebenen Verhältnis zum Gewicht des Münzmaterials.
Falschmünzen, die aus einem minderwertigen Metall bestanden, wurden daher mit einer dünnen Silber- oder Goldschicht überzogen, um einen höheren Wert des Geldstückes vorzutäuschen. Die Beschichtung aus einem Edelmetall wird als Plattierung bezeichnet. Kam die Vermutung auf, dass diese vorlag, wurde das Material der Münze mittels Prüfhieb untersucht, d.h. der Kontrolleur schlug eine Spitze in das zu prüfende Stück, um das Kernmetall der Münze zu erkennen. Dieses Vorgehen, das die Münze zwar verunstaltete, aber nicht entwertete, war nötig, da sich das Gewicht einer Fälschung oftmals nicht vom Original unterschied.
Vorliegende Münze, die vorgibt ein Denar aus dem 2. Jh. zu sein, weist allerdings ein zu hohes Gewicht (5.93 g) auf, da dieser Münztypus laufend an Gewicht verlor und im 2. Jh., zur Zeit als die Münze im Umlauf war, nur noch 3.27 g wog. Dieser Umstand und die auf der Rückseite abgeriebene Silberschicht lassen das Stück als Fälschung erkennen.

Die antike Fälschung war im Besitz der Kantonsschule Frauenfeld, die 1853 eröffnet wurde und im 19. Jh. eine Sammlung pflegte, die neben botanischen, zoologischen und ethnografischen auch numismatische Stücke umfasste. Letztere kuratierte der Kantonsschullehrer Josef Büchi (1849–1921), Altphilologe, Althistoriker und Aktuar des Historischen Vereins des Kantons Thurgau, der die Münzensammlung inventarisierte und dazu den ersten Münzkatalog verfasste. Darin notierte er zur vorliegenden Münze «scheint unecht zu sein!».
193 n. Chr. oder später
D. 19.8 mm
Legierung, Guss; Plattierung aus Silber
T 34798
Josef Büchi, Münzinventar, 1893?, S. 20, Nr. 58.55 und S. 58, Nr. 6.

Gustav Büeler, Joseph Büchi (Nachruf) (Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Bd. 60), 1921, S. 92–94.

Harold Mattingly, Edward Allen Sydenham, Pertinax to Geta (The Roman Imperial Coinage, Bd. 4.1), London 1936, Nr. 2.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Mythologie, Symbol