Münze: Klippe im Wert eines 4-Kreuzer- oder 1-Batzen-Stücks der Stadt St. Gallen, Typ B (kleiner Typ), geprägt in St. Gallen

zurück

In Strichelkreis Umschrift: «MO : NO : CIVI : SANGALLENSIS» (MONETA NOVA CIVITATIS SANGALLENSIS, neue Münze der Stadt St. Gallen). In Schnurkreis ein aufrecht stehender und heraldisch nach rechts schreitender Bär mit Halsband, flankiert von der Wertangabe «4 – K» (4 Kreuzer), im Abschnitt die Jahreszahl «1621».
Rs.: In Strichelkreis Umschrift: «VNI : S – OLI : D – EO : GL – ORIA :» (Allein dem einzigen Gott [gebührt] die Ehre). In Schnurkreis Ankerkreuz mit blattförmigen Enden, die Kreuzarme am Wappenschild mit dem Reichsadler ansetzend.
Ausrichtung der dargestellten Tiere übers Eck gestaltet.
Klippen sind eckige Münzen, die aus einem Metallrohling geschnitten wurden. Sie dienten ursprünglich als Notgeld. Ab dem 17. Jh. wurden spezielle Stücke wie Schützentaler und Schulprämienmedaillen zur Erinnerung in eckiger Form ausgegeben.

Anfang des 15. Jhs. erlangte St. Gallen, dank den königlichen Privilegien von 1401, 1415 und 1417, den Status einer Reichsstadt, aufgrund derer die Stadt die hohe Gerichtsbarkeit ausüben, die Reichssteuern selber verwalten und Münzen prägen durfte.
Der Doppeladler, das Wappen des Heiligen Römischen Reichs, kam im 15. Jh. auf. Reichsstädte wie St. Gallen prägten das Motiv auf ihren Münzen, um ihre Zugehörigkeit zum Reich darzustellen.

Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigt einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.
1621
D. 35.6 mm
Billon, Prägung
T 36148
Edwin Tobler, Benedikt Zäch, Samuel Nussbaum, Die Münzprägung der Stadt St. Gallen 1407–1797 (Schweizer Studien zur Numismatik, Bd. 2), St. Gallen 2008, Nr. 88.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Herrschaft, Heraldik, Religion, Tier