Münze: Pfennig aus der königlichen Münzstätte in Memmingen oder Überlingen

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: In Wulst- und Perlkreis nach rechts schreitender Löwe mit Adlerkopf und langem Schweif.
Seit dem 11. Jh. bildeten sich in Westeuropa im ehemaligen Karolingerreich unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gegolten hatte, traten nun aufgrund der politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt unterschiedliche Pfennigsorten auf, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde. Als wirtschaftliches Zentrum in der Region übernahm die bischöfliche Münzstätte in Konstanz diese Funktion für den Bodenseeraum. Alle umliegenden Münzstätten wie etwa Lindau, St. Gallen, Ravensburg, Überlingen oder Ulm orientierten sich bei der Ausprägung ihrer Pfennige zunehmend an den Vorbildern aus Konstanz. Seit dem frühen 13. Jh. kam im Bodenseeraum eine besondere Form dieser Pfennige in Umlauf, die aufgrund ihrer äusseren Erscheinungsform in der Forschung als Bodenseebrakteaten bezeichnet werden. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen runden Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Münzbild der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – dasselbe spiegelverkehrt und vertieft abzeichnet. Stets wird das Münzbild bei den Bodenseebrakteaten durch einen Kranz aus dicken Perlen und einen glatten Wulstreif eingefasst. Mit dem Übergang zum mehrstufigen Münzsystem im Spätmittelalter wurden die silbernen Bodenseebrakteaten durch neue Münzsorten anderer Machart und Wertstufen abgelöst.

Die Münze gehörte Gottlieb Wüthrich, der eine der umfassendsten Sammlungen von Schweizer Münzen zusammentrug. Diese kamen in Basel bei der Versteigerung der Münzen und Medaillen AG vom 25. bis zum 27. November 1971 unter den Hammer. Wüthrich (1879–1946) war seit 1898 in der Maschinenfabrik Oerlikon und ab 1899 in deren Londoner Niederlassung tätig. Dort war er von 1921 bis zu seinem Tod Direktor.
um 1260–1270
D. 19.7 mm
Silber, Prägung
T 37182
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 244.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Tier