Münze: Rappenpfennig der Grafschaft und städtischen Pfandschaft Freiburg im Breisgau, geprägt in Freiburg im Breisgau, aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Brakteat, einseitig geprägter vierzipfliger Silberpfennig.

Vs.: In Wulstkreis Adlerkopf mit Hals- und Schopffedern nach links.
Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Die vierzipflige Form ist im 13. und 14. Jh. typisch für die Pfennige des westalemannischen Raums, der die Nord- und Zentralschweiz (ohne den Bodenseeraum), den Breisgau und das Oberelsass umfasste. Sie unterscheiden sich durch ihre vierzipflige Form von den runden Bodenseebrakteaten, deren Verbreitungsgebiet sich rund um den Bodensee erstreckte und zeitweise zusätzlich das ganze Alpenrheintal (St. Galler Rheintal und Vorarlberg) bis nach Chur umfasste. Grund für die vierzipflige Form ist vielleicht der geringere Arbeitsaufwand bei der Herstellung der Schrötlinge (unbeprägter Münzrohling). Mit einem Hammerschlag auf das viereckige Silberplättchen (Schrötling), das auf dem Amboss liegt und zuvor vom Zain, einem länglichen Silberband in der richtigen Dicke und Grösse der zu prägenden Münze abgeschnitten worden war, wird der Randbereich nach aussen gewölbt, sodass die typische vierzipflige Form entsteht.
Schaffhausen lag an der Grenze zwischen dem westalemannischen Währungsraum (vierzipflige Pfennige) und demjenigen des Bodenseeraums (runde Pfennige), so dass man für Schaffhausen sowohl vierzipflige als auch runde Pfennige aus diesem Zeitraum kennt.

Die Darstellung mit dem Adlerkopf auf den Freiburger Münzen geht auf den roten Zähringer Adler zurück. Dieses Wappenbild übernahm um 1250, nach dem Aussterben der Zähringer 1218, eine Seitenlinie der Grafen von Urach, die sich daraufhin Grafen von Freiburg nannten. In der Folge führte die Stadt Freiburg den Adlerkopf als Teil des Wappens der früheren Stadtherren – Zähringer und Grafen von Freiburg – als Münzsymbol für ihre Münzen. Bewusst wurde als neues Stadtsymbol ein schwarzer Adlerkopf, in Abgrenzung zum roten Adler aus dem Wappen der früheren Stadtherren, verwendet.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler, erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden von Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern erworben.
um 1320–1387
D. 16.9 mm
Silber, Prägung
T 43653
Friedrich Wielandt, Der Breisgauer Pfennig und seine Münzstätten, Ein Beiträg zur Münz- und Geldgeschichte des Alemannenlandes im Mittelalter, 2. Aufl., Karlsruhe 1976, Nr. 48b.

Bernhard Koch, Mittelalter (Corpus Nummorum Austriacorum, Bd. 1), Wien 1994, Nr. M 2/1 (Typ).

Michael Matzke, Mittelalterliche Bergbauprägungen in Südwestdeutschland? Numismatische und archäometallische Untersuchungen an Breisgauer, Tübinger und Wormser Pfennigen, in: Lutz Ilisch et al. (Hrsg.), Dirham und Rappenpfennig, Bd. 2: Mittelalterliche Münzprägung in Südwestdeutschland (Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters, Beiheft, Bd. 19), Bonn 2004, S. 43–173, Taf. 7, Nr. 162.

Lorenzo Fedel, Der Hortfund von Pruntrut (JU), verborgen zwischen 1422 und 1425 (Inventar der Fundmünzen der Schweiz, Bd. 14, Cahier d’archéologie jurassienne, Bd. 36), Bern 2016, Nr. 381–383 (spätere Datierung).
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Tier