Prunkschlitten (Figuren-Reitschlitten) mit Fabelwesen (geflügelter Löwe) der Familie Zollikofer von Schloss Altenklingen

zurück

  Schlitten mit dazugehörigen Landen (Zugstangen)

Mit der Maus über das Bild fahren, um es zu vergrössern · Auf das Bild klicken für die Vollbildansicht · mit den Pfeiltasten oder Pfeilen navigieren

Einspännig gefahrener Luxusschlitten mit Reitsitz auf einem figürlich gestalteten Kasten. Durch seine zierliche Bauart und der nach vorne in die Höhe gebogenen Kufen unterscheidet sich der sogenannte Rennschlitten von gewöhnlichen Schlitten. Die Sitzfläche des Schlittens bot zwei Personen Platz: hinten der kutschierende Kavalier, der das Pferd mit zwei langen Leinen im Reitsitz führte, vorne die Dame nach links in Fahrtrichtung sitzend (Damensitz).

Schlittengestell (Unterbau) mit weisser Grundierung, schwarz bemalt, späterer Anstrich mit roter Ölfarbe mit schwarzen und weissen Zierlinien. Angenagelte und verschraubte Eisenbeschläge, geschmiedete Fusstritte und -stützen sowie Verstärkungen aus Eisen. Beschlagene Kufen aus Flacheisen.
Geschnitzte Holzskulptur eines Fabelwesens (Oberbau), gefasst mit Kreidegrundierung und Ölfarbe. Steigender Löwe mit Mähne und Flügeln. Runde Holzelemente des Schwanzes mit Holzdübeln befestigt.
Sattel mit Oberpolster aus Rosshaar und Jutegewebe. Schwarzer Lederüberzug aus Ledergimpe (Borte), äusserer Abschluss mit gezackten Fransen, innerer Abschluss aus Dreiecken. Ziernägel mit weissen Keramikköpfen, Haltegriffe aus Metall mit rotgefärbtem Leder überzogen. Hinterseite des Sattels im Stil des Barocks mit geschnitzter Rocaille und symmetrischer Muschelform.
Zum Schlitten gehören zwei Landen (Zugstangen), rot und schwarz bemalt und mit Zierlinien. Metallbeschläge für Lederriemen, um die Zugkraft des Pferdes zu übertragen. Die Landen wurden mittels Zugschrauben an der Aussenseite der Kufen befestigt.
Der von einem Pferd gezogene Luxusschlitten gehörte der St. Galler Kaufmannsfamilie Zollikofer, welche ab dem 15. Jh. durch Leinwandhandel zu Vermögen gelangte. Ende des 16. Jhs. wurde die Familie in den Adelsstand erhoben, 1585 erwarb sie Schloss und Herrschaft Altenklingen. Das Schloss befindet sich dank eines 1586 gegründeten Fideikommisses noch immer im Familienbesitz.

August Julius Ferdinand Ammann (1850–1924), damaliger Besitzer der Seeburg in Kreuzlingen, erwarb den Prunkschlitten im 19. Jh. von einem Antiquitätenhändler. 1895 vermachte er ihn der Thurgauischen Historischen Sammlung im Kantonsschulgebäude.

Im 18. Jh. kamen kunstvoll gearbeitete Schlitten im wohlhabenden Bürgertum auf. Vorbild waren dabei die Prunkschlitten europäischer Monarchen, welche damit Reichtum und Macht demonstrierten. Schweizer in fremden Diensten und aus wohlhabenden Familien kamen mit solchen Spektakeln in Kontakt und brachten dieses Vergnügen in ihre Heimat mit. Der Kasten hatte häufig die Form eines Tiers oder Fabelwesens. Der Löwe als Wappentier war weit verbreitet, auch die Familie Zollikofer führt das Tier in ihrem Wappen.
um 1750
Schlitten H. 107, 176, T. 77.5 cm, Landen L. 316, D. 3.5; 5 cm
Eschenholz (Schlittengestell und Landen), gebogen, bemalt; Lindenholz (Skulptur), geschnitzt, bemalt, verdübelt; Leder; gefärbt; Rosshaar; Jute; Keramik, glasiert; Eisen, beschlagen, geschmiedet
Rot 613
Frank Matthias Kammel, Heisse Kufen, Schlittenfahren, Repräsentation, Vergnügen, Sport (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd. 8), Nürnberg 2007.

Andres Furger, Paraden – Maskeraden – Promenaden, Die Schlitten des Schweizerischen Landesmuseums im europäischen Kontext, in: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Heft 1, 2009, S. 1–44.

Rezia Krauer, Zollikofer, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24.02.2014. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022830/2014-02-24/, aufgerufen am 30.01.2025.

Noemi Albert u.a, Prunkvolle Schlitten, Texte zur Ausstellung, 22. Juli 2022 bis 2. April 2023, hg. vom Schweizerischen Nationalmuseum, Zürich 2022.

Andres Furger, Wintervergnügen mit Pferdeschlitten, Historisches aus Basel und der Schweiz, 2023. https://www.andresfurger.ch/wintervergnuegen-mit-pferdeschlitten-schlitten-in-basel, aufgerufen am 29.04.2025.
Schlagwörter: Skulptur, Transport, Reisen, Freizeit, Sport, Tier

Ähnliche Objekte 12

Gemälde: Halbfigurenporträt der Maria Victoria von Beroldingen, Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Tänikon bei Aadorf (1677–1687)
  • 17. Jh.
  • Gemälde: Halbfigurenporträt der Maria Victoria von Beroldingen, Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Tänikon bei Aadorf (1677–1687)
Gemälde: Halbfigurenporträt von Dr. Johannes Peter, Arzt im Benediktinerkloster Fischingen (1822–1870), mit schwarzer Halsbinde und roter Weste über grünem Gehrock, in seiner Rechten ein Buch haltend
  • um 1800
  • Gemälde: Halbfigurenporträt von Dr. Johannes Peter, Arzt im Benediktinerkloster Fischingen (1822–1870), mit schwarzer Halsbinde und roter Weste über grünem Gehrock, in seiner Rechten ein Buch haltend
Glasmalerei: Bildscheibe mit dem hl. Michael als Seelenwäger in Rüstung mit Schwert und zwei knienden Stifterfiguren zu seinen Füssen
  • um 1500
  • Glasmalerei: Bildscheibe mit dem hl. Michael als Seelenwäger in Rüstung mit Schwert und zwei knienden Stifterfiguren zu seinen Füssen
Malerei: Ganzfigurenporträt vom Landjägerkorporal Johannes Erni (1795–1865), einem der ersten Thurgauer Polizisten, ausgestattet mit Säbel, geschultertem Gewehr und hohem Tschako
  • um 1825
  • Malerei: Ganzfigurenporträt vom Landjägerkorporal Johannes Erni (1795–1865), einem der ersten Thurgauer Polizisten, ausgestattet mit Säbel, geschultertem Gewehr und hohem Tschako
Gemälde: Halbfigurenporträt von Johann Adam Vogler (1775–1843), Bezirkstatthalter von Frauenfeld
  • um 1830
  • Gemälde: Halbfigurenporträt von Johann Adam Vogler (1775–1843), Bezirkstatthalter von Frauenfeld
Gemälde: Halbfigurenporträt von Johann Vorster (1609–1659), Schultheiss von Diessenhofen, mit schulterlangem, welligem Haar, gezwirbeltem Schnurrbart, eine Rose in seiner Rechten haltend
  • Mitte 17. Jh.
  • Gemälde: Halbfigurenporträt von Johann Vorster (1609–1659), Schultheiss von Diessenhofen, mit schulterlangem, welligem Haar, gezwirbeltem Schnurrbart, eine Rose in seiner Rechten haltend
Gemälde: Halbfigurenporträt von Susanna Rutishauser-Kreis im Alter von 36 Jahren, in dunklem Kleid und Spitzenhaube sowie -kragen
  • 1818
  • Gemälde: Halbfigurenporträt von Susanna Rutishauser-Kreis im Alter von 36 Jahren, in dunklem Kleid und Spitzenhaube sowie -kragen
Gemälde: Halbfigurenporträt von Anna Elisabeth Haubenschmid im Alter von 60 Jahren, in dunklem Kleid mit feinem Spitzenbesatz und ausladendem Hinterfür aus Pelz, geschmückt mit Collier und Gürtel in Blütenformen, in der Linken ein reich beschlagenes Buch
  • 1752
  • Gemälde: Halbfigurenporträt von Anna Elisabeth Haubenschmid im Alter von 60 Jahren, in dunklem Kleid mit feinem Spitzenbesatz und ausladendem Hinterfür aus Pelz, geschmückt mit Collier und Gürtel in Blütenformen, in der Linken ein reich beschlagenes Buch
Gemälde: Halbfigurenporträt der 61-jährigen Anna Barbara Merkli-Winz (1720–1808) von Stein am Rhein, verheiratet seit 1749 mit dem Ermatinger Bürgermeister Johann Konrad Merkli
  • 1782
  • Gemälde: Halbfigurenporträt der 61-jährigen Anna Barbara Merkli-Winz (1720–1808) von Stein am Rhein, verheiratet seit 1749 mit dem Ermatinger Bürgermeister Johann Konrad Merkli
Gemälde: Halbfigurenporträt des Arnulf von Hoyer (1891–1970), Ehemann der Schriftstellerin Alja Rachmanowa aus Ettenhausen
  • 1. Hälfte 20. Jh.
  • Gemälde: Halbfigurenporträt des Arnulf von Hoyer (1891–1970), Ehemann der Schriftstellerin Alja Rachmanowa aus Ettenhausen
Gemälde: Halbfigurenporträt von Leonie Kappeler-Leumann (1881–1972), Tochter von Johann Georg Leumann (1842–1918), Besitzer der Färberei Rotfarb in Bürglen
  • 1928
  • Gemälde: Halbfigurenporträt von Leonie Kappeler-Leumann (1881–1972), Tochter von Johann Georg Leumann (1842–1918), Besitzer der Färberei Rotfarb in Bürglen
Gemälde: Ganzfigurenporträt von Johannes Morell (1759–1835), erster Thurgauer Landammann (ab 1815) und Mitbegründer der Kantonsbibliothek Thurgau
  • 1826
  • Gemälde: Ganzfigurenporträt von Johannes Morell (1759–1835), erster Thurgauer Landammann (ab 1815) und Mitbegründer der Kantonsbibliothek Thurgau