Medaille: Religiöse Medaille des Servitenordens, Szene mit vier Heiligenlegenden des Ordens, mit abgebrochener Tragöse, hergestellt in Rom, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «S . PH . BEN . S . PER . L . B – IOACH . P . S . IVL . P[F?]AL» (Sanctus Philipp Benizi, Sanctus Peregrinus Laziosi, beatus Joachim Pelacani, Santa Juliana Falconieri). In doppeltem Linienkreis Jesus Christus, der sich vom Kreuz herabbeugt, um das kranke Bein des hl. Peregrinus Laziosi durch seine Berührung zu heilen, dahinter die hl. Juliana Falconieri mit einer vor ihr Herz gehaltenen Hostie, links kniend der hl. Philipp Benizi, am Boden liegt eine Tiara, dahinter stehend der hl. Joachim Pelacani von Siena, im Abschnitt die Angabe «ROMA».
Rs.: In Linienkreis die Darstellung der Mater dolorosa, der Schmerzensmutter, deren Herz durch die sieben Schmerzen leidet, dargestellt durch sieben Schwerter.
Mit 60 Jahren litt der Mitbegründer des Servitenordens, Peregrinus Laziosi, an einem Venenleiden sowie einem Knochentumor, deshalb sollte ihm das Bein abgenommen werden. In der Nacht vor der Operation schleppte er sich in den Kapitelsaal, um vor dem Bild des Gekreuzigten zu beten. Vom Schlaf übermannt, sah er, wie sich Jesus vom Kreuz neigte und sein Bein heilte. Als am Morgen der Arzt zur Amputation kam, fand er das Bein völlig unversehrt und geheilt. Die Heiligsprechung von Peregrinus Laziosi durch Papst Benedikt XIII. (1724–1730) erfolgte 1726.

Juliana (um 1270–1341) aus dem Adelsgeschlecht der Falconieri war wohl die Nichte eines Mitbegründers des Servitenordens. 1284 schloss sie sich dem Orden an, als eine der Frauen, die zwar in ihren Privatwohnungen blieben, jedoch weitgehend am Ordensleben mit Gottesdienst, Chorgebet sowie Dienst an Armen und Bedürftigen teilnahmen. Als ihr Tod nahte, wollte sie die Eucharistie empfangen, konnte aber die Hostie nicht mehr schlucken. Sie bat den Priester, die Hostie auf ihre Brust zu legen, worauf diese in ihr verschwand und Juliana verschied. Papst Clemens XII. (1730–1740) sprach sie 1737 heilig.

Philipp Benizi (um 1233–1285) trat 1254 in den Servitenorden ein und wurde 1267 dessen fünfter Generalprior. Als sich die Papstwahl nach dem Tod von Clemens IV. hinzog, weil sich die Kardinäle nicht auf einen neuen Papst einigen konnten, wurde Philipp als Vermittler eingeschaltet und dann selbst zum Papstkandidaten. Der Überlieferung zufolge versteckte er sich in einer Höhle, um sich einer Wahl zu entziehen, bis Gregor X. zum Papst gewählt war. Deshalb wird er oft mit der Tiara zu seinen Füssen dargestellt als Ausdruck dafür, dass er das Papstamt abgelehnt hat. Die Kanonisierung erfolgte durch Papst Clemens X. (1670–1676) im Jahr 1641.

Joachim Pelacani von Siena (1258–1305) trat im Alter von 15 Jahren in den Servitenorden ein. Joachims Leben war geprägt von tiefer Demut und strenger Askese. Er scheute keine Arbeit. Seine Liebe galt besonders den Betrübten und Kranken. Überliefert wird, dass er Epileptiker heilte, indem sein Körper die Krankheit übernahm. Papst Paul V. (1605–1621) genehmigte Joachims Verehrung 1609.

Das Herz der Gottesmutter, der Schmerzensmutter (Mater dolorosa), wird durch sieben Schwerter verletzt. Sie versinnbildlichen als Andachtsform die sieben Schmerzen, die Maria erleidet (u.a. die Flucht nach Ägypten, die Kreuzigung und die Kreuzabnahme). Die Verehrung der sieben Schmerzen Marias wurde besonders durch die Stifter des Servitenordens gefördert. Ein eigenes Fest zu Ehren dieser Schmerzen wurde 1423 auf einer Kölner Synode empfohlen und durch Papst Benedikt XIII. 1727 für die ganze Kirche vorgeschrieben.

Der in Frauenfeld geborene und in St. Gallen zum Kaufmann ausgebildete Kappeler sammelte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) einen umfangreichen Bestand an wertvollen Münzen. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mitbrachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
Hamerani-Werkstatt (17.–18. Jh.), päpstliche Medailleure
Ende 17. Jh./18. Jh.
D. 33.7 mm
Buntmetall (vergoldet), Prägung
T 35804
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 51.

José Diaz Tabernero, Christian Hesse, Müstair, Kloster St. Johann, Bd. 2, Münzen und Medaillen (Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege an der ETH Zürich, Bd. 16.2), Zürich 2004, S. 169.

Numismatik Lanz München, Auktion 166, 11. Juni 2018, Lot 322.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Hauswirtschaft, Persönliches Accessoires, Religion katholisch, Brauchtum, Kloster

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