Münze: 1-Pfennig-Stück des Bistums Konstanz, geprägt in Konstanz zur Zeit von Bischof Hermann I. von Arbon (1138–1165) oder Otto II. von Habsburg (1165–1174), aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig.

Vs.: Umschrift: «+ (Trugschrift)». In Perlkreis stehender Bischof von vorne mit Mitra (Kopfbedeckung von Bischöfen und ab Mitte des 12. Jhs. von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit), der in der Rechten einen Krummstab (Insignie von Äbten und Bischöfen, die mit dem Stab ihre Funktion als Hirten der Gläubigen symbolisieren) hält, seitlich je ein Turm mit spitzem Dach (Symbol der Stadt und der Stadtherrschaft).
Seit dem 11. Jh. bildeten sich im Bereich des ehemaligen Karolingerreichs in Westeuropa unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gültig war, traten nun unterschiedliche Pfennigsorten in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten, dies aufgrund der zunehmenden politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde.

Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Die Münze besteht aus einem sehr dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Seit dem 11. Jh. setzte in der Bodenseeregion die Tendenz ein, die zweiseitigen Pfennige auf immer dünner werdenden Silberschrötlingen zu prägen. Folglich überlagerten sich die Münzbilder der Vorder- und Rückseite und wurden zum Teil unlesbar. Diese Münzen werden in der Forschung als Dünnpfennige bezeichnet. Am Ende dieser Entwicklung steht der einseitig geprägte Brakteat mit hohem Relief. Kurz zuvor wurden Pfennige geprägt, welche zwar noch einseitig ausgebracht wurden, aber aufgrund des flachen Stempelschnitts und des dünnen Silberschrötlings in der Tradition der Dünnpfennige stehen. Zu diesen Münzen gehört auch vorliegendes Stück. Kennzeichen dieser Münzen sind ihre unsorgfältige Machart und Trugschriften, die auf den ersten Blick eine Umschrift mit Namen des Münzherrn und Titulatur oder Ausgabeort vorgeben, bei näherem Studium aber eine lose Abfolge von Buchstaben oder buchstabenähnlichen Zeichen sind. Solche irreführenden Umschriften bei Münzen werden in der Numismatik als Trugschrift bzw. Trugumschrift bezeichnet.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern abgekauft.
um 1160–1170
D. 22.8 mm
Silber, Prägung
T 9436
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, Nr. 2.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Kirche, Symbol