Münze: Vermutlich ein gefälschter «Ewiger Pfennig» des Bistums Konstanz, geprägt zur Zeit von Heinrich II. von Klingenberg (1293–1306) und Nachfolger, aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Brakteat, einseitig geprägter runder Silberpfennig, sogenannter Bodenseebrakteat.

Vs.: In Wulstkreis Porträtbüste eines Bischofs von vorne, die beiden Spitzschilde der Mitra (Kopfbedeckung von Bischöfen und ab Mitte des 12. Jhs. von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit) stehen versetzt hintereinander, links ein Krummstab (Insignie von Äbten und Bischöfen, die mit dem Stab ihre Funktion als Hirten der Gläubigen symbolisieren), rechts eine Zepterspitze in Form einer heraldischen Lilie (Lilienstab, Symbol der Herrschergewalt, Zeichen der Gnade Gottes).
Stark beschnitten.
Seit dem 11. Jh. bildeten sich im Bereich des ehemaligen Karolingerreichs in Westeuropa unterschiedliche Währungsräume aus. Anstelle des karolingischen Denars (Silberpfennig), der im ganzen Herrschaftsbereich der Karolinger gültig war, traten nun unterschiedliche Pfennigsorten in Machart, Bild, Gewicht und Silbergehalt, welche exklusiv in ihren Währungsgebieten zirkulierten, dies aufgrund der zunehmenden politischen und territorialen Zerstückelung des einstigen Reichs. Jeder dieser Währungsräume wurde von einer Leitmünzstätte beherrscht, deren Pfennig (Münze/Nominal) von den umliegenden Münzstätten nachgeahmt wurde.

Aufgrund ihrer Machart wird die Münze zu den Brakteaten gezählt, welche seit dem Ende des 12. Jhs. in verschiedenen Regionen Deutschlands, der Schweiz und im Elsass geprägt wurden. Der Name Brakteat beruht auf der lateinischen Bezeichnung «bractea» für dünnes Blech. Eine Bezeichnung, die erst Ende des 17. Jhs. unter den Numismatikern aufkam, um diese Gruppe mittelalterlicher Pfennige zu benennen. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen Silberschrötling (Münzplättchen). Das tief gravierte Bild im Prägestempel bewirkt, dass das Prägebild auf der Vorderseite der Münze ein hohes Relief aufweist, während sich auf der Rückseite der Münze – aufgrund der speziellen Prägetechnik und der geringen Dicke des Schrötlings – das Spiegelbild vertieft abzeichnet.

Der vorliegende Pfennig gehört zur Gruppe der sogenannten Bodenseebrakteaten. Die Wirtschaftsregion rund um den Bodensee wurde im Hoch- und Spätmittelalter von der bischöflichen Münzstätte in Konstanz dominiert. Alle umliegenden Münzstätten wie etwa Lindau, St. Gallen, Ravensburg, Überlingen oder Ulm orientierten sich bei der Ausprägung ihrer Pfennige zunehmend an den Vorbildern aus Konstanz. Seit dem frühen 13. Jh. bildete sich im Bodenseeraum eine besondere Form dieser Pfennige aus, die aufgrund ihrer äusseren Erscheinungsform in der Forschung als Bodenseebrakteaten oder Constantienses bezeichnet werden. Typisches Kennzeichen dieser Münzen sind die einseitige Ausprägung auf einem dünnen runden Silberschrötling (Münzplättchen) in der Technik der Brakteatenprägung. Wurde zunächst das Münzbild bei den Bodenseebrakteaten von einem glatten Wulstreif und einem groben Perlkreis bzw. einem Kranz sich abwechselnder Vierecke und Kreuze eingefasst, setzte sich ab ca. 1260/1270 eine Rahmung aus einem glatten Wulstreif und einem äusseren Kranz aus feinen Perlen durch. Im Gegensatz zu den vierzipfligen Pfennigen des benachbarten westalemannischen Währungsraums (Zürich, Nordwestschweiz, Breisgau und Elsass) waren die Bodenseebrakteate rund. Am Übergang zum Spätmittelalter zerfielen zusehends die bestehenden Währungsräume mit ihren regionalen Währungen. An ihre Stelle treten nun neue, überregionale Nominale und ein mehrstufiges Nominalsystem, welches den Bedürfnissen der aufstrebenden Wirtschaft in Europa besser angepasst ist.

Zu den Einnahmequellen der Münzherren gehörte im Mittelalter nicht nur die Münzprägung, sondern auch der periodische Einzug der alten Pfennige, um sie durch neue Prägungen zu ersetzen, die «renovatio monetae». Dabei wurde eine Umtauschgebühr erhoben, was einer Sonderbesteuerung des Barvermögens gleichkam. Zudem waren Silbergehalt und Gewicht der neuen Pfennige häufig verschlechtert worden, sodass der Münzherr mit dieser Massnahme einen zusätzlichen Gewinn beim üblichen Umtauschkurs von 1:1 zwischen neuen und alten Pfennigen erzielte. Gegen diese das Privatvermögen der Untertanen und den Handel schädigenden Massnahmen wehrten sich die Städte. 1295 gelang es dem Konstanzer Rat, den Konstanzer Bischof Heinrich II. von Klingenberg (1293–1306) zu verpflichten, den Konstanzer Pfennig in Gewicht, Bild und Feingehalt (Silberlegierung) während zehn Jahren gegen die Zahlung von 60 Mark Silber unverändert zu lassen. Der Vertrag wurde von den Nachfolgern des Bischofs mehrmals erneuert. Ende 1335 lief die Vertragsdauer aus. Dieser Konstanzer Pfennig mit Bischofsbüste zwischen Krummstab und Lilie wurde in der Folge in der Forschung als «Ewiger Pfennig» bezeichnet, als Hinweis auf die Langlebigkeit und Stabilität dieses Münztyps. Die übrigen Münzstätten rund um den Bodensee orientierten sich ebenfalls an diesen Vorgaben, sodass die Bodenseebrakteaten dieser Periode ganz allgemein als Ewige Pfennige bezeichnet werden.

Auffällig ist, dass bei diesem Stück der Perlrand fehlt. Die Münze wurde zu einem späteren Zeitpunkt mit einer Schere entlang des Rands beschnitten. Diese bis in die Neuzeit verbreitete Praxis von Privaten, sich am gewonnenen Silber zu bereichern, wurde von der Obrigkeit mit drakonischen Strafen bekämpft. Ein anderer Grund für die Beschneidung war eine Anpassung der Erscheinungsform der Münze an ein anderes Währungsgebiet, wo zwar runde Brakteaten üblich waren, diese aber keinen Perlrand aufwiesen.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St.Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern abgekauft.
um 1295–1335 (?)
D. 19 mm
Silber, Prägung
T 8108
Ulrich Klein, Rainer Ulmer, Concordantiae Constantienses (CC), Tabellarischer Katalog der Bodensee-Brakteaten, in: Württembergischer Verein für Münzkunde (Hrsg.), Beiträge zur Süddeutschen Münzgeschichte 2001, Stuttgart 2001, S. 27–160, vgl. Nr. 45.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Kirche, Symbol

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