Münze: 5-Mark-Stück des Königreichs Württemberg, geprägt in Stuttgart zur Zeit von König Karl I. (1864–1891), aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «KARL KOENIG VON WUERTTEMBERG». In Perl- und Linienkreis Kopfporträt des Königs nach rechts, darunter «F», das Münzstättenzeichen für Stuttgart.
Rs.: Umschrift: «DEUTSCHES – REICH 1876 – (Stern) FÜNF MARK (Stern)». In Perl- und Linienkreis bekrönter deutscher Reichsadler nach links.
Rand: Umschrift: «GOTT (Arabeske – Tatzenkreuz – Arabeske) MIT (Arabeske – Tatzenkreuz – Arabeske) UNS (Arabeske – Tatzenkreuz – Arabeske)».
Mit der Ausrufung des Deutschen Reichs im Januar 1871 im Spiegelsaal von Schloss Versailles (FRA) entstand der deutsche Nationalstaat, der alle deutschen Monarchien und Freien Städte unter der Führung Preussens im föderalen Gesamtstaat vereinte. Nach und nach wurden auch die unterschiedlichen Währungen der Fürsten in eine einheitliche Reichswährung überführt. Als neue Währung galt die Mark zu 100 Pfennig. Während alle Kleinmünzen bis zum Wert von einer Mark ein identisches Design aufweisen, nahm man bei der Gestaltung der Silber- und Goldmünzen Rücksicht auf den föderalen Aufbau des Reichs. So zeigt die Rückseite dieser Münzen zwar jeweils den bekrönten deutschen Kaiseradler mit einem Brustschild, das Münzbild der Vorderseite war jedoch dem Teilstaat vorbehalten. Da es sich bei der Mehrzahl dieser Länder um Königreiche, Herzogtümer oder Fürstentümer handelte, erscheint üblicherweise auf der Vorderseite der Münzen jeweils das Porträt des regierenden Herrschers. Einzelne Stücke zeigen zudem die Wappen der ehemaligen Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck, welche als Freie Städte Teil des Deutschen Kaiserreichs waren.

Die Rückseite des Stücks zeigt als verbindendes Element aller deutschen Reichsmünzen jeweils den bekrönten deutschen Reichsadler, mit nach links gewandtem Kopf. Auf der Brust trägt er einen von der Kollane (Ordenskette) des Schwarzen Adlerordens umfassten Wappenschild, der den bekrönten preussischen Adler mit Zepter und Reichsapfel (Symbole der königlichen Macht) zeigt. Dieser präsentiert wiederum das in Silber und Schwarz geviertelte Wappen der Hohenzollern (regierende Dynastie in Preussen und zeitgleich auch das Herrscherhaus des Deutschen Kaiserreichs, das jeweils den deutschen Kaiser stellte). Sowohl der 1701 gegründete preussische Schwarze Adlerorden wie der Preussenadler mit Hohenzollernschild weisen auf die politische Vormachtstellung der Hohenzollern als Könige von Preussen und deutsche Kaiser innerhalb des deutschen Gesamtstaats hin.

Der Adler als kaiserliches Symbol geht auf die römische Antike zurück. Als Begleiter und Bote der höchsten römischen Gottheit, dem Jupiter Capitolinus, war er Sinnbild des kaiserlichen Machtanspruchs. Mit dem Adlerfeldzeichen der römischen Legionen verbreitete sich dieses Zeichen im ganzen Römischen Reich. Das in dessen Tradition stehende mittelalterliche Heilige Römische Reich Deutscher Nation übernahm daher den Adler als Symbol der kaiserlichen Würde. Unter Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) erlangte der Adler den Status des Wappentiers des Reichs. 1806 kam es zur Auflösung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und 1871 zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs (1871–1918). Letzteres sah sich in der Nachfolge des mittelalterlichen Imperiums und übernahm den Adler als Wappentier. Zudem galt der Vogel in der mittelalterlichen Mythologie als der Sieger über alle anderen Tiere.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1876
D. 38 mm
Silber, Prägung
T 37207
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 35.

Chester L. Krause, Clifford Mishler, Standard Catalog of World Coins 1801–1900, Iola 2001, Nr. 623.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Porträt, Heraldik, Symbol, Tier

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