Medaille: Gedenkmedaille auf die siebte Schweizerische Ausstellung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau 1903 in Frauenfeld, vermutlich geprägt in Winterthur, aus der ehemaligen Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Vs.: Umschrift: «AGRICULTURA – (Stern) HELVETICA». In Linienkreis Kopf der Ceres (Allegorie des Sommers, römische Göttin des Ackerbaus) nach links, Profil nach dem griechischen Ideal mit Stirn- und Nasenbein in gerader Linie und kleinem gerundeten Kinn, geflochtenes Haar am Hinterkopf hochgesteckt, Schleife im Nacken und Diadem aus Eichen- und Lorbeerblättern, Blüten, Weinblättern mit Traubenrispe und Ähren. Um den Hals Perlenkette. Darunter die Künstlersignatur.
Rs.: Umschrift: «VII . SCHWEIZERISCHE». In Linienkreis eine Kartusche mit den Angaben «AUSSTELLUNG / FÜR / LANDWIRTSCHAFT / FORSTWIRTSCHAFT / U . GARTENBAU / FRAUENFELD 1903», darüber Schweizer Kreuz in Strahlenkranz, darunter Eichen- und Lorbeerzweig (Symbole der Stärke, Treue und Einheit sowie des Siegs und Ruhms), darunter Künstlersignatur.
Im 19. Jh. kam es vielerorts in der Schweiz zur Gründung landwirtschaftlicher Vereine, deren Ziel es war, den Acker- und Obstbau, die Viehwirtschaft und die bäuerlichen Arbeitsbedingungen zu verbessern. Im Thurgau geschah dies 1835, als sich unter der Führung des Kreuzlinger Seminardirektors Johann Jakob Wehrli (1790–1855) und mit Unterstützung der Thurgauischen Gemeinnützigen Gesellschaft der Thurgauische Landwirtschaftliche Verein formierte. Auch regionale landwirtschaftliche Vereine bildeten sich: Um 1880 beschäftigten sich etwa 40 Körperschaften mit dem Berufsalltag der Bauern.
Die Institutionen setzten auf Aufklärung der Landwirte, damit aufgrund technischer und wissenschaftlicher Erkenntnisse die Quantität und Qualität der landwirtschaftlichen Erträge optimiert werden konnten. Das Augenmerk des Kantonalen Vereins lag auf der rationellen Düngung, besseren Feldgeräten, Kultivierung von Futterpflanzen, Aufschwung der Schweinezucht durch Import von Zuchtschweinen aus Norfolk (GBR) und ebenso der Förderung der Berufsbildung. Angeboten wurden Weiterbildungen in Form von Vorträgen und Beratungen sowie Informationen mittels Vereinsblatt. Zudem wurde eine Bibliothek zum Ausleihen von Fachliteratur angelegt. Der Verein mischte sich im Fall von landwirtschaftlichen Themen in die Gesetzgebung ein und gelangte mit Petitionen an den Grossen Rat. Andererseits war er ab den 1850er-Jahren auf Anregung des Regierungsrats bemüht, mittels Statistiken ein aufschlussreiches Bild der Thurgauer Landwirtschaft zu erfassen. Die Gründung einer landwirtschaftlichen Thurgauer Schule zählte ebenfalls zum Engagement des Vereins, weshalb 1841 eine solche Bildungseinrichtung in Kreuzlingen und ab 1904 die Kantonale Landwirtschaftliche Winterschule in Frauenfeld eingerichtet wurde.
Dank Ausstellungen sollte die Bevölkerung auf die landwirtschaftlichen Produkte aufmerksam gemacht werden, diese und die Arbeit der Bauern schätzen lernen und zudem traten die Landwirte mit den Schauen in einen Wettbewerb, der sie zu guten Leistungen anspornen sollte. An den Ausstellungen wurden daher auch Produkte ausgezeichnet.
Die vorliegende Medaille wurde anlässlich der landwirtschaftlichen Ausstellung 1903 in Frauenfeld ausgegeben, einem grossen Ereignis, an welchem das 100-jährige Jubiläum des Kantons Thurgau gefeiert wurde. Ab 1803 gehörte der Kanton Thurgau als autonomer Kanton zur Eidgenossenschaft.

Die Medaille gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern abgekauft.
Durussel, Edouard (1842–1888), Medailleur, Graveur

Beuttner, Carl (Karl), vermutlich, Goldschmied in Winterthur
1903
D. 50.9 mm
Silber, Prägung
T 37883
Ausstellungsdirektion (Hrsg.), VII. Schweiz. Ausstellung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau vom 18.–27. September 1903 in Frauenfeld, Generalbericht, Frauenfeld 1904.

Anton Schmid, Der thurgauische landwirtschaftliche Verein, Eine historisch-statistische Skizze, Zeitschrift für Schweizerische Statistik, 41. Jahrgang, 1905, S. 370–385.

Jean L. Martin, Médailles suisses, Lausanne 1989, Nr. 111.

Werner Baumann, Peter Moser, Landwirtschaftliche Vereine, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.10.2011. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016460/2011-10-20/, aufgerufen am 30.08.2025.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Vereinswesen, Anlässe, Andenken, Landwirtschaft, Allegorie, Heraldik, Symbol, Botanik

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