Münze: Groschen bzw. 3-Kreuzer-Stück der Stadt St. Gallen, geprägt in St. Gallen, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: In Strichelkreis Umschrift: «MONETA : NOVA : S : GALLENSIS (Lilienblüte und drei Punkte)» (MONETA NOVA CIVITATIS SANGALLENSIS, neue Münze der Stadt St. Gallen). In Linienkreis ein aufrecht stehender und heraldisch nach rechts schreitender Bär mit Halsband, darunter Münzmeisterzeichen in Form eines Ahornbaums.
Rs.: Umschrift: «(Rosette) SOLI (Rosette) DEO (Rosette) GLORIA (Rosette) 1725» (Allein Gott [gebührt] die Ehre). In Linienkreis Kreuz mit je einer Lilienblüte (Symbol der Reinheit) an den Enden der Kreuzarme, die an einem Oval mit der Wertangabe «3» ansetzen. Zwischen den Armen je ein Blatt oder eine Blüte mit Perle darüber.
Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigt einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
Anhorn, Hans Kaspar (1660–1736), Goldschmied, Stadtrichter, Münzwardein, Münzmeister

Anhorn, Sebastian (1685–1743), Münzmeister
1725
D. 22.3 mm
Billon, Prägung
T 36133
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 62.

Edwin Tobler, Benedikt Zäch, Samuel Nussbaum, Die Münzprägung der Stadt St. Gallen 1407–1797 (Schweizer Studien zur Numismatik, Bd. 2), St. Gallen 2008, Nr. 128.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Herrschaft, Heraldik, Symbol, Religion, Tier, Botanik