Amulett für Pferde, Apotropaion (Schutz- oder Abwehrmittel) gegen den «Bösen Blick», aus Konstantinopel, Osmanisches Reich

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Dunkelbraune Lederschnur mit verknüpften Enden, mit eingefädelten grossen hellblauen Glasperlen und dreieckigen Anhängern aus Drahtgeflecht, die mit Ösen an der Schnur befestigt sind. Auf beiden Seiten ins Drahtgeflecht eingereihte Glasperlen in Blautönen, Weiss und Gelb, die spitzen Enden der Anhänger je mit einer Wollkugel in Rot, Gelb, Grün und Blau versehen. Drei der Anhänger je auf einer Seite mit runder Metallapplikation, eine davon mit einem roten facettierten Stein, die anderen zwei mit je einem Stern aus zwei Zackenreihen unter Glas, umrandet von reliefierten Ranken.
Der «Böse Blick» ist ein Phänomen des Volksglaubens. Er kann einem Mitmenschen Unheil zufügen. Diese magische Praxis ist uralt, vor allem im Mittelmeerraum und in Nordafrika verbreitet und war vermutlich schon in prähistorischer Zeit bekannt. Auf dem Gebiet des ehemaligen Osmanischen Reichs ist der Glaube bis heute präsent. Amulette in Form eines Auges schützen vor der negativen Kraft. Diese werden Nazar genannt, ein arabisches Wort für «Blick» und «jemanden anstarren».
In der Regel sind sie blau, wie das vorliegende Exemplar in Form einer Kette aus blauen «Augenperlen». Die Farbe repräsentiert im Islam den Himmel und das Göttliche und bietet damit Schutz vor dem unheilvollen Blick.
Auch Pferde konnte der «Böse Blick» treffen, weshalb ihnen ein Amulett angehängt wurde. Pferde hatten im Osmanischen Reich traditionell ein besonders hohes Ansehen. Denn das Tier war für die in dieser Region lebenden zahlreichen nomadischen Gemeinschaften überlebenswichtig. Edle Pferderassen mit prunkvollem Geschirr repräsentierten zudem die Macht der Osmanen. Ihrem Herrscher, dem Sultan, wurden zur Huldigung die prächtigsten Pferde von seinen Untertanen überreicht. Im 18. Jh. zählte die Hofstallung 3000 Pferde. Andersgläubige im Reich mussten sich zeitweise mit Reiteseln begnügen.
Der Besitz eines Pferds konnte Neider auf den Plan rufen, weshalb das Tier besonders anfällig für den «Bösen Blick» war.
19. Jh./vor 1924
L. 134 cm
Leder; Glas; Metall; Kugeln aus Baumwolle, an Hanffaserschnur befestigt
1223
Mitteilungen der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft, Bd. 27, 1928, S. 160.

Thede Kahl, Der Böse Blick, Ein gemeinsames Element im Volksglauben von Christen und Muslimen (Religion und Magie in Ostmitteleuropa, Religions- und Kulturgeschichte in Ostmittel- und Südosteuropa. Bd. 8), Münster 2006, S. 321–336.

Azher Hameed Qamar, The Concept of the ‹Evil› and the ‹Evil Eye› in Islam and Islamic Faith-Healing Traditions, in: Journal of Islamic Thought and Civilization 3, Nr. 2, 2013, S. 44– 53. https://www.researchgate.net/publication/326173436_The_Concept_of_the_%27Evil%27_and_the_%27Evil_Eye%27_in_Islam_and_Islamic_Faith-Healing_Traditions, aufgerufen am 15.06.2026.

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Hylke Hettema, Necklaces and the evil eye, rememberingadeserthorse.org, Version von März 2018, https://rememberingadeserthorse.org/2018/03/24/necklaces-and-the-evil-eye/, aufgerufen am 15.06.2026.

Marissa Smit, Good Horses, Bad People, Equine Encounters from the Perspective of Sixteenth-Century Ottoman Officials, anamed.ku.edu.tr (Koç University Research Center for Anatolian Civilizations), Version von 2021, https://anamed.ku.edu.tr/good-horses-bad-people-equine-encounters-from-the-perspective-of-sixteenth-century-ottoman-officials/, aufgerufen am 15.06.2026.
Schlagwörter: Ethnografica, Hauswirtschaft, Landwirtschaft, Tier, Brauchtum

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