Fahne: Plakat (Transparent) der Sozialdemokratischen Partei (SP) Arbon

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Querformatiger roter Baumwollstoff, darauf in weisser Farbe gemalt die Parole «Sozialisten aller Länder – Willkommen!».
Die Fahne bekundet die Solidarität mit politisch Gleichgesinnten. Möglicherweise bezieht sich der Spruch auf den Aufruf «Proletarier aller Länder, vereinigt euch!», der aus dem Manifest der Kommunistischen Partei (1848) von Karl Marx (1818–1883) und Friedrich Engels (1820–1895) stammt. Über 70 Jahre nach seiner Entstehung wurde der Aufruf als sowjetischer Wahlspruch übernommen. Ab 1923 zierte er das Staatswappen der Sowjetunion sowie die Wappen befreundeter sozialistischer und kommunistischer Länder.

Wann und wo die Fahne zum Einsatz kam, lässt sich nicht eruieren. Denkbar wäre, dass ihre Entstehung auf die Sozialistische Bodensee-Internationale vom 13. und 14. August 1927 zurückgeht. Die Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI) ist eine 1902 gegründete internationale, sozialdemokratische und gewerkschaftliche Organisation mit Delegierten aus den Bodenseeanrainerstaaten Deutschland, Österreich und Schweiz. Aufgrund des Ersten Weltkriegs ruhten die Tätigkeiten der SBI weitgehend, bis am 24. August 1924 in Rorschach wieder eine grössere Versammlung stattfand. Das am 13. und 14. August 1927 in Bregenz geplante Zusammenkommen musste wegen der Behauptung, es sei mit Unruhen zu rechnen, kurzfristig abgesagt werden. Zuflucht fand die Veranstaltung in Arbon, wo trotz des Ortswechsels 4500 Besucherinnen und Besucher teilnahmen. Deutsche, österreichische sowie Schweizer Politiker waren als Redner zu Gast. Neben der Versammlung bewegte sich auch ein grosser Demonstrationszug durch die Strassen von Arbon.

Die sozialdemokratische Geschichte Arbons ist eng mit dem Aufblühen der Stickerei-Industrie verbunden. Die Stadt entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. zu einem schweizweit bedeutenden Industriestandort, der geprägt war durch die Maschinen- und spätere Lastwagenfabrik Adolph Saurer AG sowie die Stickereifabrik Arnold B. Heine.

Mit der Industrialisierung erlebte die Kleinstadt zunehmende soziale Konflikte und eine erstarkende Arbeiterbewegung. Diese machte mittels Streiks und Demonstrationen auf Missstände und Lohnkürzungen in den Fabriken aufmerksam. In diese konfliktreiche Zeit fällt die Gründung der Sozialdemokratischen Partei (SP) Arbons im Jahr 1916. Unter dieser konnten die Anliegen der verschiedenen Vereine für die Arbeiterinnen und Arbeiter vereinigt werden. Bis Mitte der 1950er-Jahre war die Stadt als «Rotes Arbon» bekannt, mit einer Mehrheit der SP in der Ortsverwaltung.
Doch nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ausbruch des sogenannten Kalten Kriegs begann sich das politische Klima zu Ungunsten sozialpolitischer Absichten zu drehen. Die SP Arbon bleibt zwar bis heute eine treibende Kraft der Lokalregierung, erzielte aber nach 1957 keine absolute Mehrheit mehr.

Die Bedeutung Arbons für die deutschsprachige Sozialdemokratie lässt sich daran erkennen, dass 1911 und 1965 die «Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI)» dort einberufen wurde. So bot Arbon bekannten sozialistischen Persönlichkeiten wie Karl Liebknecht, dem Nationalrat Herman Greulich oder dem deutschen Bundeskanzler Willy Brandt eine Bühne.

Die Fahnen wurden im Herbst 2004 vom Abwart im Estrich des Schulhauses Reben in Arbon gefunden. Über das Schulmuseum wurde der SP-Arbon-Präsident Bertelmann informiert, der die Fahnen aus der Abfallmulde rettete. Die SP Arbon schenkte die Transparente darauf dem Historischen Museum Thurgau.
um 1920–1940
H. 77, B. 206 cm
Baumwolle, bemalt mit weisser Deckfarbe
T 43004
Brigitte Studer, Kommunismus, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version von 2001 (Artikel aus der HLS-Druckversion, bearbeitet am 28.10.2008). https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/017455/2008-10-28/, aufgerufen am 23.08.2026.

Hans Geisser, Geschichten erzählen Geschichte, Ein Streifzug durch Arbons Vergangenheit, Vom roten Arbon, Museumsgesellschaft Arbon 2005, S. 192–195.

Hans Geisser, Schatten über der Stadt am See, Arboner Alltag in Krise und Krieg 1930–1945, Politischer Alltag im roten Arbon, Museumsgesellschaft Arbon 2010, S. 30–39.

Claudius Graf-Schelling, Roth und Röter, 100 Jahre Sozialdemokratische Partei Arbon 1916-2016, Eine Chronik, Arbon 2016, S. 74.
Schlagwörter: Textilien , Vereinswesen, Ereignis, Anlässe, Geschichte, Industrie

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