Fahne: Plakat (Transparent) der Sozialdemokratischen Partei (SP) Arbon gegen den Gaskrieg und Luftkrieg

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Querformatige Fahne aus rotem Baumwollstoff, zusammengesetzt aus verschiedenen Stoffbahnen. Beklebt mit einem fast die Fahne füllenden Papierplakat, darauf in schwarzer Farbe gedruckt drei Kampfflugzeuge vom Typ Doppeldecker, der im Ersten Weltkrieg im Einsatz war. Sie fliegen von rechts nach links über eine städtische Siedlung und hinterlassen eine sich ausbreitende Wolke mit einem Totenschädel. Gerahmt wird das Bild von der Parole: «Der Gaskrieg bedroht die Städte! Tötet Kinder, Frauen, Greise!»
Der erstmalige Einsatz des tödlichen Chlorgases durch das Deutsche Heer am 22. April 1915 markiert den Beginn des Gaskriegs. De Bedrohung dieser neuen Waffe im Ersten Weltkrieg hielt auch nach Kriegsende an. Dabei stand der Gaskrieg eng in Verbindung mit dem Luftkrieg.

1930 mobilisierte die SP Schweiz, deren antimilitärische Position sich mit dem Landesstreik von 1918 gefestigt hatte, gegen den Gas- und Luftkrieg. Kurz davor hatte das Parlament 20 Millionen Franken für die Anschaffung der ersten Systemflotte der Fliegertruppe genehmigt. Es wurden Unterschriften für eine ablehnende Petition gesammelt und im Mai 1930 eine grosse Protestkundgebung organisiert, bei welcher diese Demonstrationsfahne der SP Arbon im Einsatz gewesen sein könnte.
Angesichts der faschistischen Bedrohung in Europa änderte sich Ende 1932 die Einstellung der Linksgesinnten zur Schweizer Armee. Ab 1934 wäre ein Transparent mit dieser Parole nicht mehr denkbar, da sich in diesem Jahr die Thurgauer Sozialdemokraten im Grenzgebiet zu Deutschland für die militärische Landesverteidigung aussprachen. Mit dieser politischen Haltung waren sie der SP Schweiz ein Jahr voraus.

Die sozialdemokratische Geschichte Arbons ist eng mit dem Aufblühen der Stickerei-Industrie verbunden. Die Stadt entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. zu einem schweizweit bedeutenden Industriestandort, der geprägt war durch die Maschinen- und spätere Lastwagenfabrik Adolph Saurer AG sowie die Stickereifabrik Arnold B. Heine.

Mit der Industrialisierung erlebte die Kleinstadt zunehmende soziale Konflikte und eine erstarkende Arbeiterbewegung. Diese machte mittels Streiks und Demonstrationen auf Missstände und Lohnkürzungen in den Fabriken aufmerksam. In diese Zeit fällt 1916 die Gründung der Sozialdemokratischen Partei (SP) Arbons. Unter dieser konnten die Anliegen der verschiedenen Vereine für die Arbeiterinnen und Arbeiter vereinigt werden. Bis Mitte der 1950er-Jahre war die Stadt als «Rotes Arbon» bekannt, mit einer Mehrheit der SP in der Ortsverwaltung.
Doch nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ausbruch des sogenannten Kalten Kriegs begann sich das politische Klima zu Ungunsten sozialpolitischer Absichten zu drehen. Die SP Arbon bleibt zwar bis heute eine treibende Kraft der Lokalregierung, erzielte aber nach 1957 keine absolute Mehrheit mehr.

Die Bedeutung Arbons für die deutschsprachige Sozialdemokratie lässt sich daran erkennen, dass 1911 und 1965 die «Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI)» dort einberufen wurde. So bot Arbon bekannten sozialistischen Persönlichkeiten wie Karl Liebknecht, dem Nationalrat Herman Greulich oder dem deutschen Bundeskanzler Willy Brandt eine Bühne.
1925–1933
H. 158, B. 327 cm
Baumwolle, beklebt mit handbemaltem Papier
T 43034
Eva Büchi, Vorkämpferinnen, 101 Jahre SP-Frauengruppe Arbon, 2009, S. 49.

Rainer von Falkenstein, Chemische Waffen, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.12.2003. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043555/2003-12-19/, aufgerufen am 30.06.2026.

Hans Geisser, Geschichten erzählen Geschichte, Ein Streifzug durch Arbons Vergangenheit, Vom roten Arbon, Museumsgesellschaft Arbon 2005, S. 192–195.

Hans Geisser, Politischer Alltag im roten Arbon, in: Schatten über der Stadt am See, Arboner Alltag in Krise und Krieg 1930–1945, Museumsgesellschaft Arbon 2010, S. 30–41.

Claudius Graf-Schelling, Roth und Röter, 100 Jahre Sozialdemokratische Partei Arbon 1916-2016, Eine Chronik, Arbon 2016.

Rudolf Jaun, Militärpolitik in der Zwischenkriegszeit. Die Rückkehr der Linken zur Armee, in: Geschichte der Schweizer Armee. Vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart, Zürich 2019,S. 188–193.

Stefan Keller, Die Zeit der Fabriken. Von Arbeitern und einer roten Stadt, Zürich 2001.

André Salathé, Albin Hasenfratz, Hansjörg Brem, Hannes Steiner, Erich Trösch, Verena Rothenbühler, Thurgau, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.05.2017. https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007393/2017-05-22/, aufgerufen am 30.06.2026.

SP Arbon, Geschichte, https://sp-arbon.ch/geschichte, aufgerufen am 30.06.2026.
Schlagwörter: Textilien , Vereinswesen, Ereignis, Geschichte