Fotografie: Wandgemälde «Mariä Tempelgang» vom italienischen Maler Tiziano Vecelli (Tizian) (um 1488/90–1576), aus der Fotografie-Sammlung der Familie Bachmann, Besitzerin von Schloss Frauenfeld

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Reisesouvenir in Form einer frühen Schwarz-Weiss-Fotografie eines monumentalen Kunstwerks. Darstellung einer Szene aus dem Evangelium des Jakobus mit einer an den Stufen des Tempels von Jerusalem versammelten Menschenschar, welche die dreijährige Maria in einer Ganzkörpergloriole beim Emporsteigen zum Eingang des Tempels beobachtet. Gemäss der Erzählung wurde Maria bis zu ihrem zwölften Lebensjahr als Tempeljungfrau erzogen.
Bildunterschrift Gesamtansicht: «187 – VENEZIA. R. Accademia – Tiziano Vecellio», «Presentazione al Tempio (riproduzione interdetta)», «C. NAYA Venezia».
Bildunterschrift Ausschnitt: «137 – VENEZIA r. A. Tiziano Vecellio. Present. della Vergine al tempio det. [Rip. Interd.] NAYA Venezia».
Tizian schuf die Malerei im 16. Jh. für das Gebäude «Scuola Grande» der Bruderschaft «Santa Maria della Carità», einer geistlichen und karitativen Körperschaft in Venedig. Unter den Zuschauern links im Bild stehen Mitglieder dieser Vereinigung, gekleidet in der «toga veneta», einem Gewand, welches auch von venezianischen Kaufmännern (Nobili) getragen wurde. Im 19. Jh. war im Gebäude am Südufer des Canal Grande zunächst eine Kunstakademie für Malerei und Skulptur, die «Accademia di belle arti di Venezia» untergebracht, bis darin 1882 das Museum, die heutige «Galleria dell'Accademia» eingerichtet wurde.

War im 18. Jh. vornehmlich der Adel auf Bildungsexpeditionen unterwegs, entwickelte sich im 19. Jh. ein Tourismus für breite Kreise, die Schwarz-Weiss-Fotografien als Erinnerungsstücke mit nach Hause brachten. Idyllische Naturansichten, antike Ruinen, Stadtveduten oder Aufnahmen von bekannten, vor Ort besichtigten Kunstwerken waren beliebte Motive. Das Geschäft mit den Lichtbildern florierte und deren Nachfrage befeuerte die rasante technische Entwicklung der Fotografie.

Carlo Naya (1816–1882), ein italienischer Reise- und Architekturfotograf, war für seine Gebäudeaufnahmen und Stadtveduten von Venedig bekannt. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften in Pisa ermöglichte ihm eine Erbschaft längere Reisen in Europa, Nordafrika und Asien. 1857 eröffnete er ein Fotoatelier in Venedig, das nach seinem Tod fortgeführt wurde. Neben architektonischen Motiven fotografierte er den Alltag der mittellosen Bevölkerung Venedigs wie beispielsweise den Schreiber für die Analphabeten der Stadt oder einen Zigarettenstummelverkäufer. Den Vertrieb seiner Fotografien übernahm bis zu ihrem Zerwürfnis der aus dem Tessin stammende Erfinder optischer Instrumente und königliche Fotograf Carlo Ponti (um 1822–1893). Nach Nayas Tod wurden die Geschäfte von seiner Frau und ihrem zweiten Ehemann weitergeführt. 1920 kaufte der Verleger und Kunstsammler Osvaldo Böhm die etwa 5000 Negative des Naya Fotoarchivs und eröffnete sein Fotogeschäft «O. Böhm Fotografo-Editore» in Venedig, das bis in die späten 1980er-Jahre aktiv war. Heute befindet sich das Naya-Böhm-Archiv in der Fine Arts Library (FAL) der Harvard Universität (USA).

Digitales Archiv Alinari: FVQ-F-148538-0000.
«Presentazione della Vergine al tempio, olio su tela, Tiziano Vecellio (1488 ca.–1576), Gallerie dell'Accademia, Venezia.»
Naya, Carlo (1816–1882), italienischer Reise- und Architekturfotograf
2. Hälfte 19. Jh.
H. 39, B. 30 cm, Bildmass H. 20.5, B. 26 cm
Schwarz-Weiss-Fotografie auf Albuminpapier, geklebt auf Karton
T 38644.201 / T 38644.200
Elena Roncaglia, Carlo Naya fotografo veneziano, Il ruolo della fotografia del XIX secolo nella rappresentazione del paesaggio urbano, Dissertation, Padua 2009.

memoria fotografica, Italienbilder aus der kunsthistorischen Fotothek, Begleitheft zur Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg 14.11.2014 bis 24.01.2015, Heidelberg 2014.

Venedig, Florenz, Neapel, Ein fotografisches Reisealbum, 1877, Aufnahmen von Carlo Naya, den Fratelli Alinari und Giorgio Sommer, Frankfurt am Main 2017.

National Galleries Scotland, Carlo Naya. https://www.nationalgalleries.org/art-and-artists/artists/carlo-naya, aufgerufen 29.11.2023.

Fine Arts Library (FAL) Harvard University, Osvaldo Böhm collection of Venetian art and architecture, 1860-ca. 1988. https://hollisarchives.lib.harvard.edu/repositories/19/resources/1179, aufgerufen am 26.02.2024.

Auktionshaus Lempertz, Künstlerverzeichnis Carlo Ponti. https://www.lempertz.com/de/kataloge/kuenstlerverzeichnis/detail/ponti-carlo.html, aufgerufen 16.05.2024.
Schlagwörter: Hauswirtschaft, Wohnen, Reisen, Andenken, Fotografie, Malerei, Religion

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