Münze: 1-Taler-Stück der Stadt Zürich, geprägt in Zürich, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Umschrift: «MONETA REIPUBLICAE[AE ligiert] TIGURINAE[AE ligiert]». In Linien- und Strichelkreis Zürcher Wappen in ovalem Schild, links gehalten von einem Löwen mit Schwert (Symbol der Herrschaft und Gerichtsbarkeit) nach rechts und rechts von einem Löwen mit Palmzweig (Symbol des Siegs und Friedens) nach links.
Rs.: Umschrift: «DOMINE CONSERVA NOS IN PACE» (Herr, bewahre uns in Frieden), in Linien- und Strichelkreis Stadtansicht von Zürich von Süden mit dem Grossmünster rechts und dem Fraumünster links, dazwischen die Limmat, Wehranlage zum See hin mit runden Schiessscharten, davor Schiffsverkehr mit angelndem Fischer auf Boot, Transportkahn und Segelschiff, unten Schildchen mit Jahreszahl, unten Kartusche mit Jahreszahl, oben links Initialen des Medailleurs «HIG» (Hans Jakob Gessner).
Das Motto «Herr, erhalte uns in Frieden» liess die Zürcher Obrigkeit erstmals 1640 auf ihren Münzen prägen. Womöglich bezieht sich die Bitte um göttlichen Beistand auf die kriegerischen Auseinandersetzungen, von welchen die Eidgenossenschaft militärisch weitgehend verschont blieb. Zwischen 1618 und 1648 wurden weite Teile Europas verwüstet. Erst der Westfälische Frieden 1648 konnte den Dreissigjährigen Krieg beenden.

Ab 1651 zeigten die Zürcher Taler die Ansicht der Limmatstadt von Süden. Als Vorlage der Vedute diente das grafische Werk «Topographia Helvetiae» von 1641, das der Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian der Ältere (1593–1650) schuf. Solche Stadtansichtstaler wurden bis 1790 herausgegeben.

Die Umschrift auf der Vorderseite bezeichnet die Münze als einen Dukaten der Republik Zürich. Der Terminus «Republik», abgeleitet vom lateinischen Begriff «res publica», benennt die «öffentliche Sache» im Allgemeinen d. h. die politischen Geschäfte, die alle in einem Staatswesen betreffen. Enger gefasst ist damit das Gemeinwesen gemeint, in welchem die Inhaber der politischen Rechte Beschlüsse zum allgemeinen Nutzen fassen. In der Frühen Neuzeit erfuhr der Ausdruck eine Bedeutungserweiterung. Er formulierte den Gegenpart zur Staatsform der Monarchie, in welcher der Monarch alleine entscheidet. In diesem Sinne grenzten sich Staatswesen wie die Eidgenossenschaft, die Republik Venedig oder die Vereinigten Provinzen der Niederlande bewusst von ihrem monarchischen Umfeld ab. Die Loslösung der Eidgenossenschaft vom Heiligen Römischen Reich durch den Westfälischen Frieden 1648 führte zur Weiterentwicklung der Idee «Republik», indem die im Friedensvertrag staatsrechtlich neu definierte, von allen europäischen Mächten anerkannte Eigenstaatlichkeit (Unabhängigkeit) nun im Zentrum stand. Die bis dahin auf Münzen der Stadtorte anzutreffende Bezeichnung «civitas» für Stadt wurde nun durch «res publica» ersetzt. Trotz des damit verbundenen klaren Bekenntnisses gegen die monarchische Staatsform benachbarter Staaten und zur souveränen Eigenstaatlichkeit blieben in den häufig patrizisch (privilegierter Kreis amtsfähiger Bürger) bzw. zünftisch regierten Stadtrepubliken der Alten Eidgenossenschaft, weiterhin ein Grossteil der Bevölkerung (Frauen, Hintersassen, Landbevölkerung) von einer politischen Beteiligung an der Herrschaft ausgeschlossen.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
Gessner, Hans (Johann) Jakob (I.) (1677–1737), Medailleur, Stempelschneider, Münzmeister
1726
D. 40.8 mm
Silber, Prägung
T 8074
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 17.

Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 18. Jahrhundert, Zürich 1974, Nr. 423.

Marie-Alix Roesle, Der Münzmeister, Stempelschneider und Medailleur Hans Jacob I. Gessner (1677–1737), Zum Münz- und Medaillenwesen im Zürich des 18. Jahrhunderts (Freiburger Studien zur Frühen Neuzeit, Bd. 18), 2 Bde., Bern 2020, Nr. 14.20.
Schlagwörter: Numismatik, Heraldik, Symbol, Tier, Vedute, Herrschaft