Münze: 1-Taler-Stück der Stadt Luzern, geprägt in Luzern, aus dem Nachlass von Karl Asmund Kappeler (1844–1924), Kaufmann in Kolumbien

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Vs.: Zwischen äusserem und innerem Schnurkreis Umschrift: «MONETA + NOVA + LVCERNENSIS (Stern) 1622» (Neue Luzerner Münze). Bekrönter nimbierter Doppeladler (Adler mit zwei Köpfen), Wappen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Sinnbild der königlichen, von den Kurfürsten verliehenen und der kirchlichen, vom Papst verliehenen Würde. Brustschild mit damasziertem Luzerner Wappen.
Rs.: Zwischen äusserem und innerem Schnurkreis Umschrift: «+ – SANCTVS (Stern) LEODIGARIVS (Stern) P[ATRONUS] (Stern)» (Patronus = Schutzherr). Hl. Leodegar als Bischof mit seinen Insignien, dem Brustkreuz, der Mitra (Kopfbedeckung der Bischöfe sowie von bestimmten Äbten mit Rechts- und Verwaltungshoheit) und dem Krummstab (Symbol des Bischofs als Hirte der Gläubigen) in der Linken. Der Bohrer in seiner rechten Hand ist sein Attribut, da der Heilige mit diesem Folterinstrument geblendet wurde.
Heiligenschein und Mitra ragen in den Kreisbogen der Umschrift hinein.
Leodegar (um 616–678/79) war Abt in Saint-Maixent und Bischof von Autun (FRA). Aufgrund seiner Bemühungen um Reformen in der Kirche verbannte ihn der Merowingerkönig Childerich II. in ein Kloster. Nach dessen Ermordung war Leodegar tatverdächtig und wurde enthauptet. Die 727 im südlichen Elsass gegründete Abtei Murbach förderte die religiöse Verehrung des Heiligen. Da dieser das Benediktinerkloster im Hof in Luzern gehörte, kam der Kult nach Luzern. Der Heilige ist der Patron des Kantons und der Stadt Luzern.

Im 15. Jh. erlangte Luzern den Status einer freien Reichsstadt, mit welchem wirtschaftliche und politische Privilegien verbunden waren. So konnte Luzern die hohe Gerichtsbarkeit ausüben und Münzen prägen. Der Doppeladler, das Wappen des Heiligen Römischen Reichs, kam in dieser Zeit auf. Reichsstädte wie Luzern prägten das Motiv auf ihren Münzen, um ihre Zugehörigkeit zum Reich darzustellen.

Kappeler legte während seines beruflichen Aufenthalts in Südamerika (um 1876–1891) eine wertvolle, umfangreiche Münzsammlung an. 1897 zog er sich aus dem Geschäftsleben zurück und unternahm ausgiebige Reisen durch Europa, von welchen er Souvenirs mit nach Hause brachte. Münzsammlung und Reiseandenken vermachte er testamentarisch dem Historischen Verein des Kantons Thurgau.
1622
D. 39.9 mm
Silber, Prägung
T 36107
Archiv Historisches Museum Thurgau, Akten Historisches Museum 03.17.02, Inventar Sammlung Kappeler (unpaginiert), S. 63.

Jean-Paul Divo, Edwin Tobler, Die Münzen der Schweiz im 17. Jahrhundert, Zürich 1987, Nr. 1165.
Schlagwörter: Numismatik, Herrschaft, Heraldik, Symbol, Tier, Religion , Kloster

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