Münze: 15-Kreuzer-Stück der Stadt St. Gallen, geprägt in St. Gallen, aus der Sammlung von Josef Sager (1905–1964)

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Vs.: In Strichelkreis Umschrift: «MONETA : NOVA : ST(T hochgestellt) : GALLENSIS (Blüte und zwei Punkte)» (MONETA NOVA SANGALLENSIS, neue Münze der Stadt St. Gallen). In Linienkreis ein aufrecht stehender und heraldisch nach rechts schreitender Bär mit Halsband, darunter Münzmeisterzeichen in Form einer gerollten Schlange in Oval.
Rs.: In Strichelkreis die Angaben «SOLI / (Lilienblüte) DEO (Lilienblüte) / GLORIA / 1739» (allein Gott [gebührt] der Ruhm), darunter «GR» (Gabriel Reich) in barocker Kartusche aus Roll- und Beschlagwerk sowie Lorbeer- und Palmzweig (Symbol des Siegs und Ruhms sowie des Friedens), unten Wertangabe in Oval.
Das Wappen der Stadt St. Gallen und dasjenige der ehemaligen Fürstabtei St. Gallen zeigt einen aufrecht schreitenden Bären. Das erste Siegel der Abtei St. Gallen mit der Darstellung eines Bären stammt aus dem Jahr 1334. Die Wahl dieser Wappenfigur geht wahrscheinlich auf die Galluslegende zurück, nach welcher der hl. Gallus im Jahr 612 beschloss, sich im Arboner Forst zurückzuziehen, um in der Wildnis eine Einsiedelei zu gründen. Noch in der ersten Nacht erschien ein Bär, welcher der Aufforderung des Eremiten nachkam, Brennholz zu sammeln und danach das Tal zu verlassen, ohne den Einsiedler anzugreifen. Aus der Einsiedelei entstand 719 das Kloster St. Gallen, aus dem sich die Stadt St. Gallen entwickelte. Seit dem ausgehenden Mittelalter stets auf goldenem (gelben) Grund dargestellt, trägt der Bär in den Wappendarstellungen der Fürstabtei St. Gallen zuweilen bereits im Spätmittelalter ein Stück Holz auf einer Schulter. In der Neuzeit nahm die Wappendarstellung mit dem ein Holz tragenden Bären zu, auch wenn beide Darstellungen – mit oder ohne Holz – bis zum Ende der Fürstabtei 1798, belegt sind. Im Gegensatz dazu zeigt das Wappen der Stadt St. Gallen den aufrecht schreitenden Gallus-Bär stets ohne Holz auf silbernem (weissem) Grund. Zusätzlich trägt der Bär ab 1475 ein goldenes Halsband, dies aufgrund eines kaiserlichen Wappenprivilegs für die durch die Stadt St. Gallen geleistete militärische Hilfe gegen Karl den Kühnen von Burgund.

Die Münze gehörte zur Sammlung von Josef Sager (1905–1964), einem Lehrer und Autodidakten aus Münchwilen. Seit den 1930er-Jahren galt Sager in der Ostschweiz als Fachmann für Numismatik. Selbst Münzsammler erwarb er mehrere Hortfunde auf dem Gebiet der Ostschweiz und bot sich zudem als Gutachter für numismatische Sammlungen an (z.B. in der Stiftsbibliothek St. Gallen).
Die Münzen und Medaillen von Josef Sager bilden in der Museumssammlung ein Konvolut aus über 600 Exemplaren. Alle Stücke wurden Josef Sager, seinen Erben oder nachfolgenden Besitzern abgekauft.
Schirmer, Felix (1683–1757), Zinngiesser, Geldwechsler, Münzmeister

Reich, Gabriel (1698–1760), Goldarbeiter, Stempelschneider, Münzwardein, Probierer, Stempelschneider
1739
D. 19.2 mm
Silber, Prägung
T 36127
Edwin Tobler, Benedikt Zäch, Samuel Nussbaum, Die Münzprägung der Stadt St. Gallen 1407–1797 (Schweizer Studien zur Numismatik, Bd. 2), St. Gallen 2008, Nr. 101.
Schlagwörter: Numismatik, Kunsthandwerk, Herrschaft, Heraldik, Symbol, Botanik, Tier