Fahne: Plakat (Transparent) der Sozialdemokratischen Partei (SP) Arbon für die Nationalratswahlen 1928

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Querformatige Fahne aus rotem Baumwollstoff, beidseitig um eine schmale Stoffbahn erweitert. Darauf mit Bleistift vorgezeichnet und in weisser Farbe gemalt die Parole «Nationalratswahlen 1928 – Wählt Sozialdemokraten».
1925 errang die neun Jahre zuvor gegründete Sozialdemokratische Partei (SP) Arbon in der Ortsverwaltung erstmals die Mehrheit. Der Erfolg der Sozialdemokraten konnte 1928 gefestigt werden, als die Arboner Stimmbürger den 34-jährigen August Roth (1894–1954), promovierter Jurist und langjähriger Präsident der SP Thurgau, zum Ortsvorsteher und Gemeindeammann wählten.
Für die im selben Jahr stattfindenden Nationalratswahlen wurde breit mobilisiert und geworben. In diesem Zusammenhang kam wohl auch diese Fahne zum Einsatz. In der Folge gewann die SP Thurgau erstmals zwei Sitze. Neben dem bisherigen Nationalrat Otto Höppli (1880–1957), Pionier der Genossenschaftsbewegung, wurde der Arboner Gemeindeammann August Roth gewählt. Bei den Nationalratswahlen gewann die SP 1928 schweizweit erstmals knapp mehr Stimmen als die FDP, erhielt aber nach wie vor deutlich weniger Sitze als diese.

Die sozialdemokratische Geschichte Arbons ist eng mit dem Aufblühen der Stickerei-Industrie verbunden. Die Stadt entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. zu einem schweizweit bedeutenden Industriestandort, der geprägt war durch die Maschinen- und spätere Lastwagenfabrik Adolph Saurer AG sowie die Stickereifabrik Arnold B. Heine.

Mit der Industrialisierung erlebte die Kleinstadt zunehmende soziale Konflikte und eine erstarkende Arbeiterbewegung. Diese machte mittels Streiks und Demonstrationen auf Missstände und Lohnkürzungen in den Fabriken aufmerksam. In diese konfliktreiche Zeit fällt die Gründung der Sozialdemokratischen Partei (SP) Arbons im Jahr 1916. Unter dieser konnten die Anliegen der verschiedenen Vereine für die Arbeiterinnen und Arbeiter vereinigt werden. Bis Mitte der 1950er-Jahre war die Stadt als «Rotes Arbon» bekannt, mit einer Mehrheit der SP in der Ortsverwaltung.
Doch nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ausbruch des sogenannten Kalten Kriegs begann sich das politische Klima zu Ungunsten sozialpolitischer Absichten zu drehen. Die SP Arbon bleibt zwar bis heute eine treibende Kraft der Lokalregierung, erzielte aber nach 1957 keine absolute Mehrheit mehr.

Die Bedeutung Arbons für die deutschsprachige Sozialdemokratie lässt sich daran erkennen, dass 1911 und 1965 die «Sozialistische Bodensee-Internationale (SBI)» dort einberufen wurde. So bot Arbon bekannten sozialistischen Persönlichkeiten wie Karl Liebknecht, dem Nationalrat Herman Greulich oder dem deutschen Bundeskanzler Willy Brandt eine Bühne.
um 1928
H. 78, B. 229 cm
Baumwolle, bemalt mit weisser Deckfarbe
T 43003
Hans Geisser, Geschichten erzählen Geschichte, Ein Streifzug durch Arbons Vergangenheit, Vom roten Arbon, Museumsgesellschaft Arbon 2005, S. 192–195.

André Salathé, Roth, August, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version von 2009 (Artikel aus der HLS-Druckversion, bearbeitet am 05.01.2012). https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/005101/2012-01-05/, aufgerufen am 24.08.2026.

Hans Geisser, Schatten über der Stadt am See, Arboner Alltag in Krise und Krieg 1930–1945, Politischer Alltag im roten Arbon, Museumsgesellschaft Arbon 2010, S. 30–39.

Claudius Graf-Schelling, Roth und Röter, 100 Jahre Sozialdemokratische Partei Arbon 1916–2016, Eine Chronik, Arbon 2016.
Schlagwörter: Textilien, Vereinswesen, Ereignis, Geschichte, Industrie, Staatliche Institutionen

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